Von Adolf Metzner

Schon im vergangenen Jahr vor den Olympischen Spielen in Mexiko konnte man in München hinter vorgehaltener Hand oder auch geradeheraus vernehmen, die Tage des Herbert Kunze, Generalsekretär des Organisationskomitees der Spiele der XX. Olympiade, seien gezählt. Die offenen, sich dann regelmäßig wiederholenden Angriffe in bestimmten Münchner Presseorganen ließen auch nicht lange auf sich warten.

Dabei bleibt ziemlich unklar, was man Kunze, einem Düsseldorfer Rechtsanwalt, eigentlich vorwirft. Schwerwiegende Fehler sind ihm nicht nachzuweisen, wie sie etwa in der Olympia-Baugesellschaft vorgekommen sind, die ja nun einen versierten neuen Chef aus Bonn zudiktiert bekam. Eher ist es schon seine offenbar nicht immer geschmeidige Art, die ihm jetzt schon mehr Feinde einbrachte, als für einen Generalsekretär heutzutage gut ist. Außerdem sind die 100 000 Mark Jahresgehalt einigen Leuten ein Dorn im Auge, was um so mehr verwundert, als in deutschen Landen Fußballtrainer existieren, die noch viel mehr bekommen, ohne auch nur der deutschen Sprache mächtig zu sein.

Fast wurde es schon zum internationalen Brauch, daß heute ein Generalsekretär des Organisationskomitees einer Olympiade das Ziel nicht erreicht und auf der Strecke bleibt. So geübt in Mexiko und in Tokio. Die idyllischen Zeiten, als ein Carl Diem wie ein Rocher de bronze diese Funktion mit souveräner Meisterschaft ausübte, scheinen vorüber.

Die Wolken über Herbert Kunzes Haupt hatten sich ganz bedrohlich zusammengezogen. Die Vorsitzenden von nicht weniger als drei Ausschüssen des Organisationskomitees (OK) hatten, erklärt, daß sie in der „Fortsetzung ihrer Arbeit keinen Nutzen mehr“ für das OK sehen würden. Dabei hatten sie unmißverständlich eingreifende Veränderungen im Generalsekretariat als unabdingbare Voraussetzung für ihre Weiterarbeit genannt. Der Skalp von Herbert Kunze wurde also gefordert. Gefordert von folgenden drei Herren:

1. Hans Dürrmeier, Generaldirektor des Süddeutschen Verlages, Vorsitzender des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit,

2. Herbert Hohenemser, Stadtrat in München und Vorsitzender des Kunstausschusses,