Sehr sehenswert:

„Circus“ (1927), von Charles Chaplin. Der Tramp im Showbusiness: fast eine Autobiographie. Chaplins Zirkus hat keinen Charme, er ist ein Amüsierbetrieb, der für seine Akteure nichts als Anstrengung und Arbeit bedeutet. Charlie bringt das Publikum zum Lachen, wenn er verfolgt und gequält wird; die Leute wenden sich gelangweilt ab, wenn er komisch sein will. In Details versteckt Chaplin kleine Lektionen über die Kunst, komisch zu sein. Immer wieder gerät die Struktur der Zirkusnummern, die er lernen soll – die Struktur traditionellen Humors –, in Widerspruch zu der seiner eigenen Komik, hinter der stets das Grauen lagert. Charlie ist dann am komischsten, wenn er am wenigsten er selber sein darf – wenn er, von der Polizei verfolgt, sich in die Figur eines mechanischen Theaters verwandelt; wenn er im Wunschtraum sich vom David zum Goliath wandelt; wenn er als Seiltänzer an einem Draht hängt und dieser zur elektrischen Leitung wird. Die Identitätsspaltung des Chaplinschen Helden im „Großen Diktator“ (1940) wird hier in Andeutungen schon vorweggenommen. Auch die Umwelt erfährt Charlie nicht als mit sich selbst identisches Kontinuum. Ihr Symbol ist das Spiegelkabinett, in dem er sich mit seinen Verfolgern schlägt. Wahn und Wirklichkeit sind nicht zu unterscheiden – darin kommt Chaplin der Natur seines Mediums am nächsten. In der schrecklichsten Szene des Films weiß der Zuschauer vollends nicht mehr, ob nur Charlie oder Chaplin selber das Opfer ist: wenn die ihrem Käfig entwischten Äffchen den wehrlos auf dem Seil Balancierenden in die Nase beißen und ihm ihre Schwänze in den Mund stopfen.

„Chronik der Anna Magdalena Bach“ und „Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter“, von Jean-Marie Straub. „Week-End“, von Jean-Luc Godard. „Geraubte Küsse“, von François Truffaut. „Zwei Freundinnen“, von Claude Chabrol. „Paris gehört uns“, von Jacques Rivette. „Edipo Re – Bett der Gewalt“, von Pier Paolo Pasolini. „Gertrud“, von Carl Th. Dreyer. „Schande“, von Ingmar Bergman. „Accident – Zwischenfall in Oxford“, von Joseph Losey. „The Thin Man – Der Unauffindbare“, von W. S. Van Dyke.

Im Fernsehen: „Das Schloß im Spinnwebwald“ (1957), von Akira Kurosawa, WDR III am 5. Juli. „Das Tagebuch einer Kammerzofe“ (1946), von Jean Renoir, Bayern III am 6. Juli.

Sehenswert:

„Detektive“, von Rudolf Thome. „Jagdszenen aus Niederbayern“, von Peter Fleischmann. „Michael Kohlhaas, der Rebell“, von Volker Schlöndorff. „Die Fäuste in der Tasche“, von Marco Bellocchio. „Fräulein Doktor“, von Alberto Lattuada. „Mercenario, der Gefürchtete“, von Sergio Corbucci. „Bullitt“, von Peter Yates.

Im Fernsehen: „Geheimbund Schwarze Legion“ (1937), von Archie Mayo, WDR III am 4. Juli.