Kein leichtes Geschäft: Fremdenverkehr in Deutschland. Die anderen haben die Sonne, die Strände, die billige Vollpension. Wir haben bedeckten Himmel und viel zu viele muffige Wirte.

Die leicht hingeschriebene Parole „Wieder mal Urlaub in Deutschland“ (Deutsche, eßt deutschen Käse!) macht die Misere nicht kleiner – eher großer, denn die Parole ist hohl. Bla-bla. Keine Aktion stützt sie, wenig Aktivität. Keine Einsicht. Da wird angestaubte Ware neu eingewickelt und weiter angeboten... Es steht nicht gut um den Fremdenverkehr in Deutschland.

Die alten Herren der Branche tagen darüber in Selbstmitleid; das Jungvolk, da und dort zu Einfluß und zum Titel „Verkehrsdirektor“ gekommen, flickt Opas Fremdenverkehr am Zeug und kreiert den neuen. Den Fremdenverkehr aus eigener Initiative. Den Fremdenverkehr auf Biegen und Brechen – der bloß anders ist, nicht besser. Wie zum Beispiel in ...

In Hameln. Eine schöne Stadt, eine sehenswerte, sehenswürdige: eitle Bürgerhäuser in Fachwerk und Weserrenaissance. In einer schönen Umgebung. Da buckeln Waldberge, da bummelt umständlich die Weser. Viel Romantik in Hameln und um Hameln herum. Und viel Laufkundschaft: Autobummler, Bildungsreisende, Photoamateure, Chöre im Bus. Die kommen und gucken und knipsen und übernachten einmal, Gründliche, Romantiker und Biertrinker auch zweimal. Und reisen wieder ab und behalten die Stadt in guter Erinnerung. Man kann beinahe nicht anders.

Soviel Mär kommt hier zusammen, soviel Historie, soviel liebenswerte Kleinigkeit... Drei Tage und zwei Nächte. Solange hält der Spaß vor: am Rattenfänger, an prächtigen Fassaden, an krummen Gassen, über denen die Giebel die Köpfe zusammenstecken.

Aber das sind keine Touristen, die sich diesen Spaß gönnen; Ausflügler sind’s. Bloß. Und drum ist das auch kein richtiger Fremdenverkehr. Den muß man „machen“.

So: