Die Geräusche der Zivilisation sind allgegenwärtig: Krach von der Straße, Krach aus der Luft, Krach von nebenan durch dünne Wände. Man kennt die Gefahren des Lärms, aber dagegen getan wird immer noch nicht viel.

Rauch, Abgase, stinkender, giftiger Qualm entquellen Schloten, Auspuffrohren, Entlüftungsgebläsen und formen sich zu den nach Poesie klingenden, der Pestilenz viel ähnlicheren Dunstglocken unserer Städte. Die Luftverschmutzung hat, wie eben erst wieder von Wissenschaftlern hervorgehoben, „Maximalwerte erreicht, die hygienisch als bedenklich angesehen werden müssen“. Man kennt die Gefahren, aber dagegen getan wird immer noch zu wenig.

Seen und Flüsse wurden zu Kloaken – Baden verboten, Fische tot. Der vergiftete Vater Rhein und alle seine faulenden Verwandten wurden vorige Woche zu einem Fall, durch den – so sagte es ein Herr vom niederländischen Ministerium für Verkehr und Wasserordnung – „sowohl in Holland wie in Deutschland eine rote Lampe entzündet worden“ sei. Der Brennstoff hieß diesmal Thiodan. Wie lange reicht er, diese „rote Lampe“ brennen zu lassen? Zwar schmerzt noch ihr Schein in den Augen Besorgter, aber wird nun wirklich ein bißchen mehr getan?

Es gibt kein Ja, es gibt kein Nein auf diese Frage. Zweifler werden sich bestätigt fühlen, wenn sie die Wörter „müßte“, „sollte“, „endlich“ in den Antworten lesen, die Politiker, Regierende, Wissenschaftler, Verbandsvertreter, Verwalter auf diesbezügliche Fragen gegeben haben, die die „Stadt-Bauwelt“ ihnen gestellt hat. Sie sind im neuesten, diese Woche erscheinenden Sonderheft der temperamentvollen Berliner Architektur-Wochenzeitschrift „Bauwelt“ erschienen. Acht der neun Fragen gelten dem Wohnungsstandard, der Diskrepanz zwischen privatem und öffentlichem Verkehr, der Stadterneuerung wie der Stadterweiterung, dem Bodenrecht, der Raumordnung, eine betrifft nun die Umwelthygiene. Selbst wenn aus ganz anderem Anlaß gefragt worden ist – es fällt schwer zu glauben, der Fall Rhein sei ein reiner Zufall.

Anlaß sind die Bundestagswahlen im September. „Weil das Wahljahr allenthalben Bestandsaufnahmen und Zukunftsentwürfe hervorbringt, entschlossen sich die Herausgeber der „Stadt-Bauwelt“, ein ähnliches zu tun.“ Frage acht lautet:

Den mit dem sozial-ökonomischen Fortschritt verbundenen Erscheinungen der Lärmbelästigung, Luftverunreinigung und Gewässerverschmutzung konnte bisher nicht wirksam begegnet werden. Es wird behauptet, daß Schutz- oder Abwehrmaßnahmen einerseits zu einer außerordentlichen Belastung der Öffentlichkeit führen und daß Vermeidungsmaßnahmen andererseits die Wirtschaftlichkeit oder Konkurrenzfähigkeit der Verursacher in untragbarer Weise beeinträchtigen würden. Dem steht die Auffassung gegenüber, daß wir damit auf Kosten der nächsten Generationen leben, weil langfristig die biologischen Lebensgrundlagen dabei aufs Spiel gesetzt werden. Wie sehen Sie die Probleme?

Aus den Antworten: