Ich las in der Zeitung, daß man auf dem Mount Everest, über achttausend Meter hoch, ein Hotel bauen wird. Na, wenn schon, ein Rekord wird das nur für eine kurze Zeit sein – man kann ja bald Urlaubsreisen auf den Mond machen, also wird vermutlich auch dort in Kürze ein Hotel entstehen. Was kann man von einem Hotel in dieser Höhe erwarten?

Hohe Preise? Sicher.

Hohes Vergnügen? Das auch. Damen vom Jet-Set werden so darüber plaudern: "Wissen Sie, ich wohne immer im ‚Mounty‘. Unten in Katmandu sind die Gäßchen so entsetzlich schmal, und mit dem Hubschrauber hat man überhaupt keine Parksorgen. Und dann, wissen Sie, nirgends kriegt man solche gute Milch zum Kaffee. Neulich habe ich dem Hubschrauberboy zehn Dollar. Trinkgeld gegeben, er ist wahnsinnig nett..."

Und hohe Moral? Das ist die Frage; immerhin wird es in diesem Hotel nur Doppelzimmer geben, zwölf Doppelbettzimmer, und wer weiß, ob die Polizei Nepals genug Geld hat, um sich einen Peterhubschrauber für Kontrollen zu leisten.

Zuerst glaubte ich, daß ehrgeizige Leute dorthin kommen werden, die ihre Hotelrechnung als Bergsteigerdiplom herumtragen werden. Aber die Doppelzimmer ... Ruhm sucht man meistens einsam; zu zweit hat man gewöhnlich mit ander ren Sachen zu tun. Vielleicht werden dort Filmstarpärchen Verstecke; suchen – man kann seinen Willen zum perfekten Inkognito beweisen und dabei sicher sein, daß ein Photoreporter wartet. Klatschjournalisten verfügen über viel Geld.

Es wäre nicht schlecht, in diesem Hotel mal eine politische Konferenz auf höchster Ebene zu veranstalten, da kann sie ein hohes Niveau haben, auch deshalb, weil man China vom Hotel aus sehen wird.

Es kommt mir aber ein bißchen phantasielos vor, den Mount Everest nur für ein Hotel auszunutzen. Warum sollte man nicht auch ein, Entbindungsheim errichten und dann jedem Kind ein Zertifikat ausstellen, daß es hochgeboren sei. Zwar sagen die Ärzte, je mehr Sauerstoff ein Kind vor der Geburt bekommt, desto. besser könne es sich geistig entwickeln – und auf dem Gipfel herrscht, wie gesagt, Sauerstoffmangel; doch für Hochgeborene sind geistige Fähigkeiten ja nicht so wichtig.

Man könnte auf dem Berg auch eine kleine Amtsstelle für heiratslustige Beamte organisieren, die dann mit Fug und Recht inserieren könnten: "Beamter in hoher Stellung..." Und für Hochzeitsreisen liegt das Hotel wahrscheinlich zu hoch – es gibt, wie gesagt, sehr wenig Sauerstoff da oben. Gabriel Laub