DIE ZEIT

Liebeswerben um die Asiaten

Für Höflichkeitsbesuche hat Richard Nixon keine Zeit. Sein Flug nach Asien – ungewöhnlich kurzfristig geplant und angekündigt – wird eine wichtige politische Geschäftsreise sein.

Ein Präsident der Bürger

Ein lebendiges Symbol des Staates – so wird der Bundespräsident von Staatsrechtlern und Politologen genannt. Für Gustav Heinemann ist es eher eine genierliche Vorstellung, künftig als Symbolfigur des Staates herumlaufen zu müssen.

Riskante Reise nach Rumänien

Seit dem Oktober 1966, da Lyndon Johnson seine Rede über die Notwendigkeit des "Brückenschlags" hielt, ist von einer aktiven amerikanischen Osteuropa-Politik nicht mehr viel zu hören oder zu spüren gewesen.

Die Stunde der spitzen Sentenzen

Ein paar Minuten lang hatte es den Anschein, als werde es allen feierlichen Vorsätzen zum Trotz doch zu einem Mißklang kommen.

ZEITSPIEGEL

Mit einem Brief der Araberin Amina Dahbour wirbt zur Zeit die palästinensische Befreiungsbewegung um Verständnis für ihre Aktionen gegen Israel.

Besuch in Bukarest

Das Motiv für die Reise des amerikanischen Präsidenten nach Rumänien bleibt für Washington vorerst noch ebenso unklar, wie der Entschluß dazu überraschend wirkte.

Rumäniens eigener Weg

Anfang August stattet der amerikanische Präsident Rumänien einen Besuch ab. Bukarest unterhält Beziehungen zur Sowjetunion und zu China, zu den Vereinigten Staaten und Nordvietnam, zu Israel und den Arabischen Staaten, zu Albanien und Jugoslawien und zur Bundesrepublik wie zur DDR.

Marxens eigenwillige Erben

Einer der heimtückischsten Feinde der Kommunisten ist ihr eigener Hang zu langem, papierverschlingendem Wortschwall; er begräbt sogar ihre diskutablen Thesen unter einer Dunstglocke von Langeweile.

Rosen für den Staat

Die Hauptstadt wird um ein Blütenmeer reicher. 20 000 Rosen werden auf dem Platz zwischen Fernsehturm und Neptun-Brunnen blühen, wenn wir den 20.

Nur zum Hausgebrauch

Das sowjetische Politbüro ist in die Provinz ausgeschwärmt. In eigener Sache. So wie man spezielle Mäntel auf beiden Seiten tragen kann, wenden die Kremlführer nun die Weltkonferenz Kommunistischer Parteien in eine Veranstaltung für den Hausgebrauch.

Der gesteinigte Yankee

Kurz vor Mittag dringen vier elegant gekleidete junge Männer, Maschinenpistolen im Anschlag, in das schäbige Büro der Metallarbeiter-Gewerkschaft in einem Vorort von Buenos Aires ein.

Rumoren um Rumor

Italien spricht wieder von Aldo Moro. Der 52jährige christlich-demokratische Politiker, der von Dezember 1963 bis Mai 1968 die Regierungskoalition der "linken Mitte" geleitet hatte und dann von einem Tag auf den anderen aus dem Rampenlicht verschwunden war, erlebte auf dem XI.

Gegen den Absolutismus der Kurie

Der vierundsechzigjährige Léon-Joseph Kardinal Suenens, Erzbischof von Mecheln und Brüssel, Primas der belgischen Katholiken, den Papst Paul VI.

Kulturkommunist ohne Parteizierat

Die Tage sind länger, aber nicht wärmer geworden. "Nun muß sich alles, alles wenden", dieser alte Tauwettersong sah und sieht sich, wie oft, widerlegt.

Husacks eiserner Besen

Die ČSSR ist aus den Schlagzeilen verschwunden. Die täglichen Meldungen über Säuberungen und Reuebekenntnisse werden auf die vierten, fünften Seiten verbannt – "In Prag nichts Neues".

Wolfgang Ebert:: Wahl-Helfer

"Ein Glück, daß wir einen Mann wie Filbinger in unseren Reihen haben", sagte Bange frohgemut, "er drückt das ganze Ordnungsrecht an den Universitäten nur durch, um den SDS doch noch ein bißchen auf Trab zu bringen.

Lehrer, Schriftsteller und Mittler

In der amerikanischen Kirche von Bad Godesberg nahmen Deutsche und Amerikaner letzte Woche Abschied von Hajo Holborn, den Lebensweg und Lebensleistung in Wissenschaft und Politik zu einer auch für die breitere Öffentlichkeit denkwürdigen und dankbarer Rückerinnerung würdigen Figur gemacht haben.

Wenn der Kanzler Hof hält...

Der fahrende Sänger kam in die kleine Residenz am Rhein. Mit Kurt Georg Kiesinger, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, wollte er letzte Woche einen Gedankenaustausch pflegen.

Die Ratten verließen den Rhein

Alles Leben komme aus dem Wasser, behauptete vor zweieinhalbtausend. Jahren Thales von Milet. Doch am Rhein, zwischen dem Mäuseturm bei Bingen und der Mole im holländischen Brouwershaven, glaubt das heute niemand mehr: Vater Rhein nämlich ist impotent geworden.

Dokumente der ZEIT

Ich sehe als erstes die Verpflichtung, dem Frieden zu dienen. Nicht der Krieg ist der Ernstfall, in dem der Mann sich zu bewähren habe, wie meine Generation in der kaiserlichen Zeit auf den Schulbänken unterwiesen wurde, sondern heute ist der Frieden der Ernstfall, in dem wir alle uns zu bewähren haben.

Neue Akzente in Paris

Unter dem unausgesprochenen Motto "Öffnung und Kontinuität" hat der neue französische Premierminister Chaban-Delmas in seiner Regierungserklärung teils die Grundlinien der gaullistischen Außenpolitik nachgezogen, teils aber auch neue Akzente gesetzt.

Eine Krone für Charles

In einer farbenprächtigen Zeremonie, die durch Sabotageakte walisischer Nationalisten nur am Rande gestört wurde, hat Königin Elizabeth II.

Nixon nach Rumänien

Die Entscheidung des amerikanischen Präsidenten Richard Nixon, seine Reise durch fünf asiatische Länder Anfang August mit einem Abstecher nach Rumänien abzuschließen, ist in Ost und West als "Sensation des Jahres" aufgenommen worden.

Heinemann im Amt

Die Bundesrepublik Deutschland hat ein neues Staatsoberhaupt: Seit Dienstag amtiert D. Dr. Dr. Gustav Heinemann (69), bislang Bundesjustizminister, als Nachfolger von Dr.

Kampf zwischen den Fronten

Eine konzertierte Aktion "mit anderen kommunistischen und Arbeiter-Bruder-Parteien" gegen den "Antisozialismus" hat am Montag die Führung der KPČ unter Parteichef Husak angekündigt.

Onganía in Not

Die 36 Stunden des Rockefeller-Besudies in Argentinien haben genügt, das Land erneut ins Chaos zu stürzen. Bevor der Sonderemissär von US-Präsident Nixon bei seinem dritten Versuch, die Beziehungen zu Lateinamerika zu verbessern, in Buenos Aires eintraf, hatten Demonstranten 19 Supermärkte in Schutt und Asche gelegt, die der Familie des Gouverneurs von New: York gehören.

Vom Erfolg überrascht

Ihr Roman "Deutschstunde" steht seit sieben Monaten an der Spitze der Bestseller-Listen, hat jetzt schon eine Auflage von 115 000 Exemplaren erreicht und erscheint in neun Ländern.

Syndikales

Ende voriger Woche wurde nun der zweite größere Versuch von Autoren annonciert, ihr "Produktionsmittel" selber in die Hand zu nehmen und gemeinsam zu verwalten.

Kunst und Effekt

Das bürgerliche Theater ist ein gutes Beispiel für einen solchen Widerspruch: einerseits wird das Theater als eine auf keine Sprache reduzierbare Essenz ausgegeben, die sich nur dem Herzen enthülle.

Was ist das, ein Professor?

In der "Deutschen Universitätszeitung" sinnierte kürzlich Professor Gerd Rose, Betriebswirtschaftler an der Kölner Universität, über den "vielgerühmten Freiheitsbereich des Hochschullehrers".

FILMTIPS

"Circus" (1927), von Charles Chaplin. Der Tramp im Showbusiness: fast eine Autobiographie. Chaplins Zirkus hat keinen Charme, er ist ein Amüsierbetrieb, der für seine Akteure nichts als Anstrengung und Arbeit bedeutet.

Kaum ein Künstler von heute

Hat sich der italienische Bildhauer Giacomo Manzù selber ein "Manzù-Museum" errichtet? Die soeben eingeweihte Sammlung "Amici di Manzù" (Freundeskreis Manzùs) ist weiträumig wie eine Fabrik, modern und gediegen ausgestattet wie ein Sanatorium und wurde so feierlich eröffnet wie eine Mustermesse: Unter den mindestens tausend Gästen waren die Museumsdirektoren und Kritiker Italiens, die Botschafter der USA und der UdSSR, der Kommunistenführer Longo und Ex-Ministerpräsident Fanfani, der Herzchirurg Barnard, Filmproduzent de Laurentiis, viele Schauspieler und viele Monsignori.

Bürgerkriegsähnlich

Als die Bremsen im Zug plötzlich kreischten, stieg mir gleich das Kanzlerwort von der "bürgerkriegsähnlichen Situation" in den Sinn.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Die Aufnahme trägt den Untertitel "Improvisationen, der Besatzung von Apollo 8 gewidmet" – die Widmung könnte irreführen: Es handelt sich nicht um mögliche Begleitmusiken für einen Science-fiction- Film oder eine Raumflug-Dokumentation, sondern schlicht um Improvisationen, die zunächst autonom musikalisch strukturiert sind, deren musikalisches Material aber bestimmten Assoziationsforderungen genügt.

Frieden – ganz privat

Es ist Bühnenmode geworden, mit dem Entsetzen Scherz zu treiben, eine Selbstverständliche Antikriegsgesinnung als Triebfeder für komödienhafte oder kabarettistische Theaterspiele zu benutzen.

Kunstkalender

Eine wundervolle Ausstellung für Leute, die an die Ostsee fahren, oder, wenn es im Urlaub regnet, für Liebhaber der Zeichnung: 200 Blätter aus der schönsten deutschen Privatsammlung für diesen Bereich, der Sammlung Winterstein in München.

ZEITMOSAIK

Sie gehörte zu der Generation, die gleich nach dem Krieg auf die eben eröffneten Akademien kam und sich in dem wüsten Terrain zurechtfinden sollte.

Das wirkliche Theater der Grausamkeit

Es wäre müßig, der langen und traurigen Geschichte der Option nachzugehen, die seit 1938 in Händen eines deutschen Verlages war und schließlich zu einer miserablen Übersetzung führte, die man nicht publizieren konnte.

Schlag nach bei Goethe

zu einem Zeitpunkt, da es wie ein liebenswerter Anachronismus anmuten muß. Vorbei die Zeit, da das Exemplarische der Goetheschen Existenz sich von selbst verstand, da in ihm der Weltgeist ein für allemal gültig verkörpert war und der Nachwelt kaum noch etwas zu tun zu bleiben schien als Sammlung, Sichtung und Exegese.

Die Emanzipation der Zahlen

Möglich, daß das für manchen Besucher der documenta 4 die langanhaltendsten Nachwirkungen sind (und das wäre kein schlechtes Fazit): Er sieht wieder die Ritzen im Trottoir, seit er die lose verlegten Steinplatten von Carl André entlanggeklappert ist; er glaubt, einen echten Brüning vor sich zu haben, wenn er sich und sein Auto durch die farbenprächtig bis zur totalen Unverständlichkeit verschilderte und von Blinksignalen strotzende Umleitung manövriert; die trübe Plastikplane, die an der Fassade eines Neubaus im Wind knattert, wird in die Distanz des Zitats verwiesen, seit Christo, der Verpackungsspezialist, das Thema in Kassel ad absurdum geführt hat.

ZU EMPFEHLEN

Einer der wenigen großen surrealistischen Romane, worin der unsterbliche Schöpfer des "Ubu Roi" als ein anderer Gulliver sein "pataphysisches" Universum durchreist; es ist das Universum der Kunst, bevölkert unter anderem mit sämtlichen zeitgenössischen Literaten, die in ihren selbst erfundenen Ländern regieren.

KRITIK IN KÜRZE

"Polnische Prosa des 20. Jahrhunderts", ein Lesebuch, herausgegeben von Karl Dedecius. Die Neuausgabe der Anthologie, mit wissenschaftlicher Gründlichkeit zusammengestellt, repräsentativer als je eine in Polen herausgegebene, schon deswegen, weil sie auch die Werke der im Ausland lebenden polnischen Autoren umfaßt, mit einem gut lesbaren und informativen Nachwort des Herausgebers und biographischen Notizen über alle einundfünfzig Autoren.

Worte des Bürgerpräsidenten

Anspannung festhalten, den Vorgang im Detail dokumentieren", notierte sich Günter Grass, als Gustav Heinemann im dritten Wahlgang zum Bundespräsidenten erkoren worden war.

Mao und der Maoismus

Innerhalb von drei Jahren (1966 – 1968) sind in China mehr als 150 Millionen Exemplare der "Ausgewählten Werke Mao Tse-tungs" gedruckt worden, und das nicht nur in Chinesisch, sondern in fast allen wichtigen Sprachen der Welt.

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