Bisher rührten sich Europas Manager nicht vom Fleck. Aber jetzt wechseln sie ihre Jobs mit schier unglaublicher Geschwindigkeit." Dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin "Business Week", das diese Entdeckung gemacht hat, fiel außerdem auf: europäische Manager bei amerikanischen Konzernen wechseln immer häufiger zu einheimischen Firmen über.

Der europäische, vor allem der deutsche Wirtschaftsboom hat junge Unternehmer zu einer "knappen Ware" gemacht. Ein Beispiel für den Kampf der Unternehmer um die Manager: Auf die 170 Studenten, die im Frühjahr von der Akademie für Wirtschafts-Führungskräfte in Fontainebleau bei Paris mit Diplom abgingen, stürzten sich die Werber von 200 Firmen.

Mit Vorliebe machen Europas Unternehmen Jagd auf Spitzenkräfte amerikanischer Unternehmen, Man verspricht sich dabei, preiswert das "know how" der amerikanischen Konkurrenz mit einzukaufen. Die Anwerbungen der lernen Zeit:

  • Leonhard Diepenbrock, deutscher Marketing-Direktor von Colgate, wurde Geschäftsführer der Bremer Kaffeerösterei Jacobs.
  • Toni Schmucker, Verkaufsdirektor der Kölner Ford-Werke, wechselte zu Rheinstahl über.
  • Jacques Massen, französischer IBM-Manager, wechselte zu einem französischen Unternehmen über.
  • Daniel Jouve gab seine Stellung als Leiter der Kreditabteilung bei der Chase Manhattan Bank in Paris auf, um bei einem Pariser Verlag eine führende Position zu übernehmen.
  • Jean-Pierre Brule verließ IBM und wurde Direktor der französischen Computer-Konkurrenz Bull, die allerdings von dem amerikanischen Konzern General Electric beherrscht wird.

Den stärksten Aderlaß verzeichnen Procter & Gamble, IBM, General Motors und Ford. Allerdings sind die amerikanischen Firmen am Verlust ihrer Top-Manager selbst schuld. Sie muten ihnen nämlich eine Reihe von Nachteilen zu.

Jacobs-Chef Diepenbrock beklagte zum Beispiel, für manche amerikanische Firma wären die leitenden Angestellten in Europa nur Marionetten, denen sie keine eigene Initiative überließen.

Amerikas Konzerne machen es europäischen Managern auch schwer, Spitzenpositionen zu erreichen. Nicht wenige Fremdarbeiter in US-Diensten sprechen offen aus, gegenüber den amerikanischen Kollegen diskriminiert zu werden, Sobesetzen zum Beispiel Ford und Opel ihre Direktorposten traditionell mit Amerikanern (eine erste Ausnahme machte jüngst Ford).