Eine konzertierte Aktion "mit anderen kommunistischen und Arbeiter-Bruder-Parteien" gegen den "Antisozialismus" hat am Montag die Führung der KPČ unter Parteichef Husak angekündigt. Die Kampfanweisungen wurden den örtlichen Parteiorganisationen übermittelt, ohne daß Einzelheiten nach außen drangen.

Husak hatte bereits Ende der vorigen Woche auf einer Funktionärskonferenz neue Säuberungen auf allen Ebenen des Parteiapparats gefordert und hinzugefügt: "Der offene politische Kampf für die Parteilinie muß ausgedehnt werden bis hinunter in die Fabriken und Dörfer." Damit versucht die Parteiführung Tritt zu fassen gegenüber dem wachsenden Widerstand, den die Bevölkerung gegen den schleichenden Starrkrampf des Landes leistet.

In Böhmen, und Mähren hat sich bereits eine breite Oppositionsfront gebildet, die sich bislang auch durch gründliche Säuberungen in den Parteikomitees der Provinzstädte nicht aufbrechen ließ. Die Studenten der Prager Universität verweigern der neuen Parteiführung seit deren Einsetzung im April die Gefolgschaft. In mehreren Großbetrieben des Landes kam es zu spontanen Kurzstreiks und Go-slow-Aktionen. Parteiaustritte und die Verweigerung von Beitragszahlungen sind an der Tagesordnung. Gewerkschafter, Schriftsteller, Künstler und Studenten wehren sich mit illegalen Flugblättern und Werkzeitungen gegen den Druck der Behördenherrschaft.

Bei seinem Kanpf gegen "Rechtsopportunisten" und "Nationalisten" kann sich Husak formell zwar auf das tschechische Parteibüro stützen. In Wirklichkeit aber steht er schon heute in einem erbitterten Machtkampf mit dessen Leiter, Loubomir Strougal.