„Das Eigenheim“, so heißt es im Paragraphen 9 des Zweiten Wohnungsbaugesetzes, „ist ein Grundstück (oder Erbbaurecht) mit einem Wohnhaus mit höchstens zwei Wohnungen, von denen eine der Eigentümer oder seine Angehörigen bewohnen.“ Ähnlich wird der Begriff „Familienheim“ erklärt. Es ist, so heißt es im Paragraphen 7, „nach Größe und Grundriß... dazu bestimmt, dem Eigentümer und seiner Familie als Heim zu dienen“.

Seit dem Anfang der fünfziger Jahre ist es das erklärte Ziel der Bundesregierung, eben diese – zweifellos überaus angenehme und den Familiengeist anregende – Wohnform zu fördern. Wer baut, bekommt einen Teil der Mauersteine oder der Fertigwände vom Staat geschenkt. Wer nicht baut, wird bestraft. Ihm steht keine Bausparprämie zu, und er hat kein Anrecht auf jene Steuergeschenke, die das Einkommensteuergesetz vermittelt.

Seit dem Anfang der sechziger Jahre wurde die staatliche Eigenheimförderung – wenn auch nur leicht – eingeschränkt. Die Erkenntnis, daß ein eigenes Haus den Hausherrn als Arbeitskraft unbeweglich macht, wird immer noch hell überstrahlt von dem Bestreben, den Hauseigentümern jene Gesellschaftsordnung lieb und vert zu machen, die ihnen zum eigenen Dach verhalf.

Steigende Baupreise wurden zum Teil aufgefangen durch rationellere Bauweisen, vor allen aber durch die zunehmenden Angebote vieler Bauträger, schlüsselfertige Häuser aus großen Serien zu erwerben. Nahezu 200 000 solcher im eigenen Auftrag gebauter oder fertig gekaufter Familienheime werden in der Bundesrepublik Jahr für Jahr erstdlt.

Die Vorteile dieser Wohnform liegen auf der Hand. Heute soll auf dieser Seite deshalb einmal von den möglichen Nachteilen die Rede sein. Zwei Autoren schildern zwei Falle, in denen der Hauskauf oder-bau sich für das Leben seiner Bewohner als Last auswirkt. Auch die beiden Autoren wissen, daß ein eigenes Haus für die meisten Familien die optimale Wohnform ist. Sie wollten aber – jeder aus seiner Sicht – einmal zeigen, wo bei so vielem Licht die Schattenseiten liegen können.

Denn nicht immer steigt der Wert jedes Hauses kontinuierlich an. Schlecht gebaute, schlecht gelegene Reihenhäuser sind, zum Beispiel, schon heute oft schwer verkäuflich. Und es ist auch zweifelhaft, ob alle Kinder es einstmals ihren Eltern danken werden, daß sie jahrelang immer nur sparen mußten.