„Polnische Prosa des 20. Jahrhunderts“, ein Lesebuch, herausgegeben von Karl Dedecius. Die Neuausgabe der Anthologie, mit wissenschaftlicher Gründlichkeit zusammengestellt, repräsentativer als je eine in Polen herausgegebene, schon deswegen, weil sie auch die Werke der im Ausland lebenden polnischen Autoren umfaßt, mit einem gut lesbaren und informativen Nachwort des Herausgebers und biographischen Notizen über alle einundfünfzig Autoren. Ein Buch, das nicht nur die Tendenzen und die Entwicklung der Literatur in Polen zu erkennen ermöglicht, sondern auch die Geschichte dieses schwergeprüften Landes. Und dabei doch auch hervorragender Lesestoff. Karl Dedecius ist es gelungen, die Langeweile zu eliminieren, die bei den nach literaturkritischen Kriterien zusammengestellten Auswahlen üblich ist. Es ist ihm gelungen, aus Beiträgen von einundfünfzig Autoren ein einheitliches Ganzes zu schaffen. (Bücher der Neunzehn, Carl Hanser Verlag, München; 724 S., 14,80 DM) Gabriel Laub

„Bilderbotschaften“ von Christoph Meckel. Der etwas bittere Nachgeschmack, den Meckels stellenweise allzu rührende „Werkstattnotiz“ hinterläßt („Während zehnstündiger Arbeit schwitzt man eine Menge Wasser aus sich heraus; es ist daher angenehm, bei der Arbeit etwas zu trinken“), verflüchtigt sich beim Anblick der folgenden über hundert Holzschnitte, Radierungen, Handzeichnungen und Lithographien. Nach der Intention Meckels, der aus seiner Liebe zu Hieronymus Bosch, Callot und Chagall kein Hehl macht, sollen die 1960 im gleichen Verlag bereits einzeln erschienenen drei Sammlungen „Die Stadt“, „Der Krieg“ und „Welttheater“ ein „Bild der Epoche“ sein. Zentrale Themen der realistischphantastischen, ab und zu makaber verniedlichenden Bilder sind Alltags-, Kriegs- und Traumgeschehen, zentrale „Botschaften“ mal liebevolle, mal böse Zeitkritik. Jedes Blatt kann eine lange oder kurze, eine langweilige oder, kurzweilige Geschichte sein, je nach Art und Laune des Beschauers. (Verlag Heinrich Ellermann, München; 264 S., 15,80 DM) Christel Buschmann

„Dämon Weib oder die Selbstverzauberung durch Literatur, samt technischen Hinweisen, wie man dorthin gelangt“ von Robert Neumann. Viele Parodien in diesem Band – und keineswegs die dümmsten – sind fast vierzig Jahre alt. Weiß man wirklich noch, wie sie geschrieben haben: die Courths-Mahler und die Eschstruth, Artur Dinter, Rudolf Stratz, Waldemar Bonseis, Maurice Dekobra und einer namens Joseph Eckerskorn? Die einen könnten sie vergessen und die anderen nie gelesen haben. Dennoch kennen wir sie überaus genau, weil uns der große Parodist die Einsicht so erleichtert hat. Die überkommenen Stücke sind durch später aufgezeichnete – auch Schnurre und auch Nabokov – ergänzt worden, dem Spiel mit fremden Fehlern folgt die einfache Demonstration der Fehler: das Zitat. Neumanns eingestreute Überlegungen zur Sache sind sehr kennenswert. Was läßt sich parodieren, was nicht? Und nach welchen Mustern sind Kitsch und Erotik zu verflechten? Denn ziemlich alle Beispiele im Band sollen die bevorzugte Kombination erläutern. Der Verlag hat weitere Parodienbände Neumanns angekündigt, noch für dieses Jahr. (Verlag Kurt Desch, München; 214 S., 15,– DM) Christa Rotzoll