Noch hat die CDU keinen Gegenspieler zu Karl Schiller; und dem Dilemma der Konjunkturpolitik weicht sie aus.

APO und aufsässige Studentengruppen schienen im voraus darüber informiert zu sein, daß es sich nicht um eine Wahlkampfarena handelte. Sie kamen nicht.

Das Polizeiaufgebot fehlte, das eine Woche vorher während der BDI-Jahrestagung um die Beethovenhalle postiert war. Die Veranstalter des Wirtschaftstages der CDU/CSU hatten das APO-Risiko bewußt einkalkuliert.

Die Unternehmer und leitenden Angestellten verließen die Bonner Beethovenhalle, ohne daß ihnen jemand gesagt hätte, welche konkreten wirtschaftspolitischen Ziele die Partei in der nächsten Wahlperiode bis 1973 erreichen will. Und einen Gegenkandidaten zum SPD-Wirtschaftsminister bekamen sie nicht zu Gesicht.

Dennoch war es der schwierigste Wirtschaftstag, den die CDU/CSU in diesem Jahrzehnt veranstaltete. Die Vertreter des Bundesverbandes der Deutschen Industrie waren nicht erschienen, weil in den Reihen ihrer Mitglieder offenbar keine Einigkeit über Wert und Unwert der Schillerschen Wirtschaftspolitik bestand. Und die Unternehmer, die gekommen waren, dürften die Ausführungen einiger Redner mit Befremden registriert haben.

Professor Biedenkopf ging mit ihnen gleich zu Beginn hart ins Gericht. Er kritisierte die zunehmende Bereitschaft zur Subvention. Die Fahrpreisdemonstrationen von Hannover und Heidelberg sind nach seiner Ansicht nichts anderes als "Rheinstahlkreise des kleinen Mannes". Wer diese Demonstrationen verdamme, dürfe, wenn er glaubwürdig sein wolle, den Rheinstahlkreis – das Verhalten der Sprecher in der Stahlindustrie – nicht billigen. Beide Gruppen verfolgten das gleiche Ziel: Entlastung der eigenen Portemonnaies durch die Staatskasse.

Nicht minder hart ist seine nächste Behauptung: Die zum Teil radikale Ablehnung der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung durch die junge Generation beweist doch wohl, daß die soziale Marktwirtschaft offenbar kaum noch fähig ist, sich zu erklären und zu überzeugen. Schwerverdauliche Kost wurde nicht nur in der Grundsatzdiskussion gereicht, die Biedenkopf einleitete. Bei der Aussprache über die Themen Konjunktur- und Sozialpolitik trugen einige Professoren Thesen vor, die manchem industriellen Teilnehmer gewiß nicht schmeckten.