Lübeck Bis zum 27. Juli, Behnhaus und St.-Annen-Museum: „Deutsche Zeichnungen 1800 bis 1850“

Eine wundervolle Ausstellung für Leute, die an die Ostsee fahren, oder, wenn es im Urlaub regnet, für Liebhaber der Zeichnung: 200 Blätter aus der schönsten deutschen Privatsammlung für diesen Bereich, der Sammlung Winterstein in München. Und eine bemerkenswert unkonventionelle Art, ein Jubiläum zu feiern. Fritz Overbeck (der Lübecker Raffael, das Haupt der Nazarener) ist vor 100 Jahren gestorben. „Ein junger Mensch aus gutem Hause und einer vortrefflichen Familie“, so beschreibt ihn nicht Thomas Mann, sondern sein Freund Franz Pforr, Autor der abgebildeten „Nächtlichen Heimkehr“ von 1808. Der Vater Overbeck war Bürgermeister der Hansestadt („Mittelmäßigkeit, weißt du, ist in der Kunst eine Todsünde“) mit musischen Neigungen, er dichtete – wie Jens Christian Jensen in seinem Plädoyer für „Overbeck heute“ anmerkt – das Lied „Komm lieber Mai und mache“.

Die obligate Overbeck-Retrospektive schien Museumsdirektor Fritz Schmalenbach inopportun. Warum eines Gedenktages wegen etwas machen, was heute von einem größeren Publikum nicht aufgenommen werden kann? Statt dessen Zeichnungen und Aquarelle aus der Overbeck-Zeit, die in Lübeck absichtlich nicht als „romantisch“ apostrophiert wird; der Begriff würde, wenn überhaupt, dann nur auf die frühe Abteilung zutreffen.

Goethes „Felsstudie“ von 1820 entspringt, nicht romantischem Gefühl, sondern geologischem Interesse. Man sieht herrliche Blätter von Caspar David Friedrich, von Carus, Kersting, Ferdinand und Friedrich Olivier, Blechen, Illustrationen von Karl Fohr (die vor zwei Jahren im Städel ausgestellt waren); das schöne Doppelbildnis „Overbeck und Cornelius“, das Cornelius 1812 gezeichnet hat, wurde 1969 aus New York zurückerworben.

Das St.-Annen-Museum zeigt eine Auswahl aus dem Eigenbestand an Overbeck-Zeichnungen, hauptsächlich Jugendarbeiten und ein Konvolut der Pausen nach den späten „Darstellungen aus den Evangelien“. Die umfangreichste und beste Sammlung von Overbeck-Zeichnungen gehört der Nationalgalerie in Ostberlin.

Weiterhin im Programm:

Essen Bis zum 14. September, Villa Hügel: „Das Wunder von Faras“