Innerhalb von drei Jahren (1966 – 1968) sind in China mehr als 150 Millionen Exemplare der „Ausgewählten Werke Mao Tse-tungs“ gedruckt worden, und das nicht nur in Chinesisch, sondern in fast allen wichtigen Sprachen der Welt. Das ist mehr als dreizehnmal soviel wie in den fünfzehn Jahren vor der Kulturrevolution. In deutscher Sprache liegen jetzt die drei ersten der vier Bände vor:

Mao Tse-tung: „Ausgewählte Werke“; Verlag für Fremdsprachige Literatur, Peking 1968/69; Bd. I, 412 Seiten, 6,50 DM, Bd. II, 560 Seiten, 8,50 DM, Bd. III, 345 Seiten, 6,50 DM (beziehbar durch: Trikont Verlag, München, Josephsburgstraße 16; CONWA Grossovertrieb GmbH, Hamburg, Danziger Straße 35a.)

Band I enthält 17 Schriften Maos aus der Zeit des Ersten (1924 – 1927) und des Zweiten (1927 – 1937) Revolutionären Bürgerkrieges; die 40 Schriften in Band II stammen aus der Zeit vom Ausbruch des Widerstandskrieges gegen die japanische Aggression im Juli 1937 bis zur Abwehr der „zweiten antikommunistischen Kampagne“ Tschiang Kai-scheks im Mai 1941. Der dritte Band bringt 31 Schriften aus der Zeit vom März 1941 bis zur Niederlage Japans im August 1945. Band IV (8,50 Mark) wird zur Zeit ins Deutsche übersetzt

Es ist dies das grundlegende Werk der „Mao-Tse-tung-Ideen“ („Mao Tse-tung Ssu-hsiang“), zu deutsch „Maoismus“. Gemäß dem neuen Statut der Kommunistischen Partei Chinas sind die Mao-Tse-tung-Ideen „der Marxismus-Leninismus jener Epoche, in welcher der Imperialismus seinem totalen Zusammenbruch und der Sozialismus seinem weltweiten Sieg entgegengeht“. Mao habe „die allgemeingültige Wahrheit des Marxismus-Leninismus mit der konkreten Praxis der Revolution verbunden, den Marxismus-Leninismus als Erbe übernommen, ihn verteidigt und weiterentwickelt“ und „auf eine völlig neue Stufe gehoben“. Diesen Prozeß der Weiterentwicklung, der naturgemäß von äußeren Faktoren bestimmt wurde, spiegeln die „Ausgewählten Werke“ deutlich wider. Um die Mao-Tse-tung-Ideen in ihrer Gesamtheit logisch und konsequent erscheinen zu lassen, sind allerdings manche Schriften, besonders jene aus den zwanziger und dreißiger Jahren, redaktionell gekürzt oder umgeschrieben worden.

In deutscher Übersetzung ist jetzt außerdem eine politische Biographie Maos greifbar:

Stuart Schram: „Mao Tse-tung“, aus dem Englischen von Wilfried Schwedler; S. Fischer Verlag, Frankfurt 1969; 391 Seiten, 20,– DM.

Da der 76 Jahre alte Mao keine „Memoiren“ geschrieben hat (und sicherlich auch nie schreiben wird), mußte sich sein Biograph eingestandenermaßen auf bisher vorliegende Monographien stützen (insbesondere Edgar Snows „Red Star over China“ und Jerome Ch’ens „Mao and the Chinese Revolution“). Schram skizziert Maos Kindheit, seine Studentenzeit in Tschangscha, die Zeit seiner ersten politisch-publizistischen Betätigung, in die die sogenannte „4.-Mai-Bewegung (1919)“ fiel – ursprünglich eine Demonstration von 3000 Studenten in Peking gegen jene Klauseln des Versailler Friedensvertrages, die eine Übertragung der ehemals deutschen Konzessionen in Schantung an Japan vorsahen.