Von Reinhard Kühnl

Männer machen Geschichte“ – nach diesem Grundsatz richteten sich viele Forscher, die nach 1945 das Problem des deutschen Faschismus wissenschaftlich bewältigen wollten. Diesem obrigkeitsstaatlichen Geschichtsverständnis entsprang jene Theorie, daß der „Führer“ Adolf Hitler die zentrale Gestalt des Nationalsozialismus und die wichtigste Ursache für seinen Erfolg gewesen sei – eine Darstellung, die dem Rechtfertigungsbedürfnis aller nationalsozialistischen Aktivisten und Mitläufer entgegenkam.

Zwar war diese Lehre sehr populär, wissenschaftlich freilich ziemlich unbrauchbar. Daß die Person Hitlers allenfalls als Symptom interessant war, nicht aber als maßgebliche Ursache gelten konnte, war in den Sozialwissenschaften nie umstritten. Hier beherrschte bis zum Ende der fünfziger Jahre die Totalitarismustheorie das Feld, die sich auf die Analyse der Herrschaftsmethoden konzentrierte und von hier aus Nationalsozialismus und Kommunismus für wesensgleich erklären konnte. Doch seit der Kalte Krieg zu Ende ging, verlor sie nicht nur ihre politische Funktion – als ideologisches Kampfmittel gegen den Osten –, sondern auch ihre wissenschaftliche Vorherrschaft.

Nachdem man die theoretischen Mängel dieser Theorie bloßgelegt hatte, war der Weg frei für differenzierte Analysen. Von einer empirisch gesicherten und in sich konsistenten Faschismustheorie jedoch ist die Forschung noch weit entfernt. Bedeutsame Vorarbeiten aber liegen in großer Zahl vor. Unter ihnen nimmt

Arthur Schweitzer: „Big Business in the Third Reich“; 2. Aufl., Indiana University Press, Bloomington 1965; 739 Seiten, $ 15

zweifellos eine Sonderstellung ein. Schweitzer, ein in Deutschland geborener Professor für Ökonomie, lehrt jetzt an der Indiana-Universität. Seine Resultate können die Faschismusdiskussion voranbringen und eine Reihe bislang ernsthaft vertretener Ansichten als Legenden erweisen.

Für das Dritte Reich untersucht er mehrere Phasen der inneren Machtverschiebungen: