Man verläßt sich auf das Lehrbuch von vorgestern

Von Rudolf Reil

Das ist eine Auswahl von alltäglichen Aussagen zum Thema „Rechnen in der Schule“: Die Mutter freut sich: „Unser Andreas ist erst fünf und kann schon bis zwölf zählen. Er kann sogar kleine Aufgaben lösen und einige Zahlen lesen.“

Der Schularzt ist zufrieden: „Andreas erfüllt auch den Faktor der Schulreife, der spontanes, ungeübtes Interesse für Zahlen sowie Zahlenauffassung erfordert.“

Der Vater von Andreas nörgelt: „Die Schulabgänger sind durchweg miserabel im Rechnen. Ich kann das beurteilen. Ich beobachte seit über zehn Jahren die Lehrlinge in unserem Betrieb.“

Der Volksschullehrer erklärt: „Unsere Unterrichtsmethode im Rechnen ist modern. Das Rechenbuch ist erst in diesem Jahr herausgegeben worden.“

Der Studienrat konstatiert: „Wir geben Mathematik- und nicht Rechenunterricht. Da bestehen wesentliche Unterschiede. Wir müssen in unseren ersten Klassen praktisch ganz von vorn beginnen.“