Die Wetten stehen 10 zu 1. Auf zehn offene Stellen kommt im Herbst, so prophezeit man, ein Arbeitsloser. Kürzer und treffender läßt sich kaum sagen, wo das Wirtschaftswachstum heute und in Zukunft seine Grenzen hat. Die Hoffnung auf immer mehr Gastarbeiter trügt. Gegenwärtig arbeiten bei uns bereits 1,4 Millionen Ausländer. Sie sind nicht in unbegrenzter Zahl verfügbar.

Warum wechseln in dieser Situation nicht mehr deutsche Arbeitskräfte zu besser zahlenden, Arbeitgebern über? Hunderttausende sind noch in Wirtschaftszweigen beschäftigt, die sich in Zeiten der Wirtschaftsflaute als "notleidend" erwiesen haben. Daß es gegenwärtig auch den kranken Branchen gutgeht, haben sie dem Boom zu verdanken, aber auch den Subventionen, die unentwegt weiter gezahlt werden.

Der Zeitpunkt könnte nicht günstiger sein, die Subventionen für diese Branchen zu streichen oder wenigstens zu kürzen. Aber die Bundestagswahlen stehen vor der Tür. Sie scheinen politisch vernünftige Entscheidungen unmöglich zu machen. Es ist offenbar sehr viel bequemer, zusätzliche Subventionen zu bewilligen, als die Gunst der Stunde zu nutzen und mit dem Rotstift ans Werk zu gehen. ks.