Von Ferdinand Ranft

Für die meisten Männer ist alles klar, bedarf es keiner langen Überlegung: Selbstverständlich gehören Kinder mit in den Urlaub! Die männlichen Argumente sind fast immer die gleichen: Wir sehen die Kinder das ganze Jahr über kaum, die Ferien sind für uns die letzte Chance, "die Entwicklung des Nachwuchses auch väterlicherseits nachdrücklich zu fördern".

Väter übersehen dabei freilich geflissentlich, daß dieses "Ferien-Alibi" für anderweitig versäumte Erziehungspflichten für Frauen ganz anders aussieht. Paul Rieger hat in seinem Büchlein "Urlaub mit Kindern" den Standpunkt "der anderen Seite" auf eine einfache aber treffende Formel gebracht: "Die Mutter hat die Kinder das ganze Jahr um sich, mehr als ihr oft lieb ist. Was ihr fehlt, sind nicht die Kinder, sondern ihr Mann." Eine Feststellung, die Männer in ihre Urlaubsüberlegungen nicht erst an letzter Stelle einbeziehen sollten. Doch soweit sind wir noch nicht.

Sprechen wir erst einmal vom Vater am Steuer. Natürlich finden es Kinder herrlich, wenn er von allen der Schnellste ist, und sie machen gern dem Hintermann eine lange Nase. Sie begreifen noch nicht, wie sinnlos – abgesehen von den Gefahren – die Raserei auf langen Autobahn- und Landstraßenstrecken ist. Was der Vater am Steuer indessen wissen müßte, dokumentiert ein Test der beiden Firmen Kienzle und Englebert, den Norbert G. Herrmann in seinem Buch "Reisen mit Kindern im Auto" beschreibt: Zwei BMW 1500 unternahmen mitten im Urlaubsverkehr eine Testfahrt von Hamburg nach Rimini. Gesamtstrecke rund 1500 Kilometer. Der erste Wagen fuhr so schnell wie möglich, der zweite zügig, dem Verkehrsfluß angepaßt. Das Ergebnis: Der Schnelle war 31 Minuten früher da, die halbe Stunde kostete ihn 40,4 Liter Benzin. Er bremste 682mal mehr als der Langsame, brachte es sogar auf fünf Notbremsungen und überholte 1359mal mehr.

Ein Vorschlag zur Güte wäre: Spielen Sie mit Ihren Kindern im Auto. Natürlich nicht "Halma" oder "Mensch ärgere dich nicht". Es gibt herrliche Ratespiele, mit denen man längere Fahrzeiten überbrücken kann. Zum Beispiel: Autokennzeichen entschlüsseln (für größere Kinder), Autotypenwettbewerb (Welchem von zwei Typen begegnen wir öfter?), Buchstabenraten (Fluß, Stadt, Land – von A bis Z durch das ganze Alphabet) und natürlich das altbekannte Spiel "Ich sehe was, was du nicht siehst."

Warum nicht auch ein bißchen Gesang? Wenn Melodien und Texte nicht mehr präsent sind, dann gehört ein Volks- oder Wanderliederbuch mit zum Reisegepäck. Ein singender Vater ist auch leichter zu überreden, einmal den Fuß vom Gaspedal zu nehmen und nach einem Picknickplatz Ausschau zu halten.

Kleine Abstecher zu besonderen Sehenswürdigkeiten oder kürzere Umwege auf landschaftlich reizvollen Straßen entspannen, ja sie lassen die Autofahrt sogar zu einem Genuß werden. Wir erholten uns zum Beispiel auf der Fahrt an die holländische Küste zwischen Utrecht und Amsterdam auf einer kleinen Straße entlang eines verwunschenen Kanals zwischen den Autobahnabfahrten Maarssen und Vinkeveen. Ein paar Kilometer weiter brausten Hunderte von Wagen auf der Autobahn dahin.