Die edelste Nation unter allen Nationen ist die Resignation. Johann Nestroy

Ursula Querner

Sie gehörte zu der Generation, die gleich nach dem Krieg auf die eben eröffneten Akademien kam und sich in dem wüsten Terrain zurechtfinden sollte. Die einen übernahmen unkritisch das alte Modell ihrer Lehrer, andere gewannen aus der totalen Negation des Überkommenen den eigenen Ansatz. Die Bildhauerin Ursula Querner, Schülerin von Edwin Scharff, ist einen mittleren Weg gegangen, auf dem avantgardistische Lorbeeren nicht zu gewinnen sind. Ihre Bronzen, die regelmäßig im Deutschen Künstlerbund zu sehen waren, exemplifizierten das plastische Einvernehmen von figurativer Überlieferung und zeitgenössischem Bewußtsein. Italien, der Villa-Massimo-Preis, half ihr dabei, das Menschenbild vom Sockel herunterzuholen, die Skulptur zu entkrampfen, zuerst in beweglichen, animierten Reliefs und Kleinbronzen, in den letzten Jahren auch im großen Format auf dem Gebiet der Freiplastik. Ihre Bronzegruppen von jungen Leuten oder der „Bürger von Billstedt“ bezeichnen eine Humanisierung des Monumentalen, eine Gegenposition zur Denkmalskunst alten Stils.

Sie transit...

Zunächst hatte alles so schön geklappt. Mit wonigen Inszenierungen, „Kaspar“ oder „Marat“ etwa, war der Name Hans Neuenfels zum Markenzeichen eines unkonventionellen verpopten jungen Theaters geworden. Die Heidelberger „Zicke-Zacke“-Inszenierung war so geschickt angelegt, daß die ganz Rechten wie die ganz Linken, Kirche und Sport, Stadtverwaltung und Fachkritik auf die Barrikaden getrieben wurden: Der Mann war im Gespräch, Regieangebote anderer Bühnen häuften sich, Presse, Rundfunk und Fernsehen jagten ihm nach. Der Bochumer Intendant Hans Schalla engagierte Neuenfels für die nächste Spielzeit als Regisseur und für 1970/72 als Oberspielleiter; sogar von einer künftigen Intendanz war die Rede. Doch nun ging es bergab. Beim Berliner Theatertreffen erlitt „Zicke-Zacke“ bei Publikum und Presse eine totale Niederlage, an einem WC auf der Bühne scheiterte die Stuttgarter Aufführung von Albees „Alles im Garten“, und Neuenfels’ burschikose Auftritte in Fernsehen und Presse verärgerten die Theaterwelt. Und flugs löste Schalla den Vertrag mit dem sinkenden Stern wieder auf, „aus wichtigen Gründen“, wie es heißt. Er habe mit Neuenfels keine Übereinstimmung über die künftige Zusammenarbeit erzielen könne, ließ Schalla mitteilen, auch sei die Qualifikation des neuen Mannes zweifelhaft geworden. So schnell geht das. Neuenfels lehnt die Vorwürfe als unbegründet ab und hat zwei Anwälte mit der Wahrung seiner Interessen beauftragt. Am Samstag fällt die Entscheidung, ob es zu einem Prozeß kommt.

Dichter gesucht

Der „Darmstädter Leonce-und-Lena-Preis für Lyrik“ wird zum zweitenmal ausgeschrieben. Jeder, der in deutscher Sprache Gedichte schreibt und nicht älter als 39 Jahre ist, kann sich beteiligen; ausgenommen sind Autoren, die schon Lyrikbände veröffentlicht haben; nur ungedruckte Gedichte werden erwartet. Das (nach Ansicht des Jurors Wolfgang Weyrauch) beste Gedicht – wird mit 1000 DM honoriert. Spender ist die Wella-AG. Einsendeschluß: 15. September 1969; Würdigung, Lesung des Autors aus seinen Gedichten, Preisverteilung: November 1969. Manuskripte an Wolfgang Weyrauch, 61 Darmstadt, Alexandraweg 5.