In Amerika gilt es als unfein, in Restaurants oder beim Juwelier mit barem Geld zu zahlen. Der Mann von Welt zeigt ein Plastikkärtchen und unterschreibt die Rechnung. Der Kunde zahlt erst, wenn das Kreditkarten-Unternehmen ihm eine Sammelrechnung schickt.

Diese Zahlungsweise soll nun auch in Deutschland richtig populär werden. Mit ganzseitigen Anzeigen wirbt die „American Express Company mbH“ (Amexco), Frankfurt, und versucht, den Deutschen die Anhänglichkeit an das Bargeld auszutreiben; schließlich macht es die „Brieftasche dick und ingefügig“, so die Amexco-Werbung.

Die Amexco verspricht, für 60 Mark im Jahr dem Kunden den Ärger mit dem „altmodischen Geld“ abzunehmen. Außer Amexco bieten weitere Kreditkarten-Organisationen ihre Dienste an. „Diners Club (Deutschland)“, Franchise-Nehmer des amerikanischen Diner’s Club, „Carte Blanche“ und „Eurocard“ sind bereit, Kreditwürdige von dem Übel, Geld mit sich herumtragen zu müssen, zu befreien.

Die ausländischen Kreditkarten-Unternehmen sehen auf dem deutschen Markt große Wachstumschancen. Die einheimischen Kreditinstitute haben ihnen schon viel Arbeit abgenommen: Die Scheckkarte hat die Bereitschaft zum bargeldlosen Zahlungsverkehr geweckt und auch „Kredit“ ist gesellschaftsfähig geworden, seit Konteninhaber ohne Formalitäten ihre Konten bis zu einer bestimmten Grenze überziehen dürfen.

Dabei haben Scheck- und Kreditkarte nichts miteinander gemein. In Amerika nennt man die Kreditkarten „Reise- und Unterhaltungskarten“. Sie werden nur in Geschäften anerkannt, die von der Kreditkarten-Gesellschaft unter Vertrag genommen sind – Hotels, Restaurants, Bars, Luftfahrtgesellschaften, Photogeschäfte und andere Fachgeschäfte für hochwertige Luxus- und Gebrauchsartikel.

Für „gerissene Kunden“ sind Kreditkarten besser als Geld: Sie zeigen ihre Karte vor, bieten gleichzeitig an, bar zu zahlen und fordern dafür vom Händler einen Rabatt auf den Kaufpreis bis zu zehn Prozent.

Denn die Vertragsunternehmen sind die eigentlichen Kreditgeber. Ihre Rechnungen erstattet das Kreditkarten-Unternehmen abzüglich eines Diskonts von zwei bis zehn Prozent. Die Geschäfte spekulieren darauf, daß dieses Disagio wettgemacht wird, weil Kreditkäufer dazu neigen, großzügig einzukaufen. Die Kreditkarten werden weltweit zum Teil sogar in den Ostblockländern (auch in Moskau hat man Diner’s-Club-Vertragsgeschäfte) akzeptiert.

Anders dagegen die Scheckkarten der deutschen Kreditinstitute. Sie gelten im Inland überall, aber im Ausland sind nur Banken bereit, Schecks bis zu 200 Mark in Landeswährung auszuzahlen. kde