Bayerns Wirtschaftsminister setzt auf sowjetisches Erdgas

Auf einer Woge von Öl wurde Bayerns Wirtschaftsminister Otto Schedl in den vergangenen zehn Jahren zu bundesweiter Popularität emporgetragen. Er ist nicht nur der Wirtschaftsminister eines Bundeslandes mit der längsten Amtszeit, sondern auch bei weitem der bekannteste. Von seiner erfolgreichen Aktivität im Kampf um billigere Energie für die revierfernen Verbraucher seines Landes zeugt das Raffineriezentrum Ingolstadt, von seinen Gegenspielern an der Ruhr mit anerkennender Süffisanz zur „Schedl-Stätte der deutschen Energiepolitik erhoben.

Der schnauzbärtige CSU-Politiker, der seit einigen Monaten auch Stellvertreter von Bayerns Landesvater Alfons Goppel ist, setzt nun zu einem neuen Schachzug unter dem Stichwort Erdgas an. Die Woge von Gas scheint zwar noch nicht in Sicht, aber Schedl ist jetzt auf dem besten Wege, auch auf diesem für die kommenden 25 Jahre bedeutsamen Teilgebiet der Energiepolitik zukunftsträchtige Lösungen auszuhandeln. Zweifellos würde ein neues „Ingolstadt“ seinem Renommee neuen Auftrieb geben. Angesichts der Landtagswahlen im Herbst nächsten Jahres kann dies für Schedl, der wohl noch gern eine weitere Legislaturperiode in der Münchner Prinzregentenstraße residieren möchte, nur von Nutzen sein.

In der eigenen Partei schlägt ihm nämlich nicht erst seit gestern mehr Skepsis und Verdrossenheit als Zuneigung und Beifall entgegen. Die Motive sind dabei verschlungen und gewiß von persönlichen Ambitionen seiner „Konkurrenten“ mitbestimmt. Schedls Lieblingsthema, „Miteigentum statt Mitbestimmung“ – im Gespräch mit einem dpa-Korrespondenten soll er die Auffassung geäußert haben, die Arbeitnehmer sollten am Kapital ihrer Firmen mit einem Anteil „irgendwo zwischen 25 und 49 Prozent“ beteiligt werden –, verführte den bayerischen FDP-Landesvorsitzenden Dietrich Bahner, einen Unternehmer betont konservativen Zuschnitts, zu einem zornigen Brief an Ministerpräsident Goppel, in dem Schedls Rücktritt verlangt wird. Schedl aber schwieg bisher dazu, denn er hat inzwischen den Kopf voller Gas und führt offenbar weitere Gespräche außerhalb von München.

Nur eine Preisfrage

Das Thema Gas hatte er zum erstenmal vor fast genau drei Jahren hochgespielt, als er Ende Juli 1966 in einer Pressekonferenz ankündigte, daß er Erdgas aus dem Mittelmeerraum – das heißt aus Nordafrika – nach Bayern hereinholen wolle. Dabei verstand er den Eindruck zu erwecken, daß die Gespräche auf internationaler Ebene schon recht weit gediehen seien – in den folgenden Jahren wurde immer und immer wieder mit den Algeriern und den Libyern verhandelt, ohne konkretes Ergebnis: Das von dort angebotene Erdgas, das in flüssiger Form mit Spezialtankern übers Meer gebracht und dann wieder „entspannt“ werden muß, war zu teuer.

Vor allem die algerische Staatsgesellschaft Sonatrach überspannte offensichtlich den Bogen, so daß mit einem Bezug aus diesem Lande heute kaum mehr gerechnet wird. Der libysche Ölminister Kalif Ali Musa dagegen hat den energischen Energieminister erst vor einer Woche wieder in München aufgesucht.