Aus einer Rede des Prager Parteichefs Husák in Ostrau über die Lage in der CSSR:

Die Mängel, die das Zentralkomitee unserer Partei im Mai dieses Jahres und teilweise auch vorher analysierte, haben tiefe Wurzeln. Sie haben ihre Wurzeln schon in den fünfziger und sechziger Jahren, als es neben sehr positiven Ergebnissen des sozialistischen Aufbaus zu Deformationen kam und auch zu einer gewissen Erstarrtheit des Denkens, in der Leitung der Ökonomie, der Gesellschaft und, wir können das sagen, zu einer gewissen Deformation, welche die natürliche Bewegung der Gesellschaft gestoppt hat. So gesehen, liegen die tiefsten Gründe für die Krise in den Jahren, in denen die angestauten Probleme nicht gelöst wurden, wo sie die Führung ungenügend oder manchmal unrichtig gelöst hat.

Das große Ventil, das sich im Januar 1968 geöffnet hat, welches die große Engagiertheit aller Parteimitglieder, der ganzen Bevölkerung ermöglichte, welches die Möglichkeit für die Abschaffung der Fehler, der Deformationen gab, welches die angesammelten Probleme zu lösen versprach – diese große Gelegenheit wurde bei uns bis zu einem hohen Grad vertan ...

Wenn wir ruhige und normale Tage haben wollen, müssen wir den politischen Kampf mit den antisozialistischen und rechtsgerichteten Kräften zu Ende kämpfen, wir müssen die Leute, die aktiv gegen die Plattform der Partei, gegen die Plattform des Marxismus-Leninismus auftreten, demaskieren und aus dem politischen Leben vertreiben.

Wir werden um jedes Parteimitglied kämpfen, den Irregeführten überzeugen und für uns gewinnen. Wer aber nicht unsere grundlegenden marxistischen Standpunkte einnehmen will, der hat dann leider keinen Platz in unserer Partei, und wir werden uns von ihm trennen.

In erster Linie geht es um eine vorübergehende Konsolidierung für eine kurze Zeitspanne, um die Beruhigung der Situation, um die Überwältigung der Krisenerscheinungen. Hier müssen wir manchmal auch außergewöhnliche Maßnahmen ergreifen, zum Beispiel auf dem Gebiet der Presse, der Massenmedien usw. Es ist nötig, die Verhältnisse in der Ökonomie zu stabilisieren. Gleichzeitig müssen wir die Perspektiven Lösungen unserer Probleme vorbereiten. Einige Wohltäter im In- und Ausland beschuldigen uns, daß wir zu den fünfziger Jahren und ich weiß nicht wohin noch zurückkehren wollen. So etwas plant niemand.

Es ist Tatsache, daß die Gesamtzahlen des Kreises (Ostrau) ab 1966 ebenfalls fallende Tendenz haben, die Produktion fällt stufenweise, auch die Arbeitsproduktivität fällt und systematisch steigen die Löhne. Das entspricht im groben der Entwicklung im ganzen Staate. Neben gut geführten Betrieben, gut ausgestattet was die Technik und Ökonomie anbelangt, und auch was die Arbeitsmoral betrifft, haben wir ein Übergewicht von Betrieben, welche uns diese Linie verderben und welche unsere Wirtschaft schwächen. So kann man selbstverständlich nicht lange arbeiten ...