Von Hartwig Meyer

Irische Heißsporne und Geheimbündler der Irish Republican Army (I. R. A.) haben im Juni an drei deutsche Höfe Feuer gelegt. Beim Gespräch mit einem der Rebellenführer erhellt sich der Hintergrund dieser Aktionen.

Wenn man Thomas Mac Giolla Glauben schenken will, haben die Freischärler wirklich nichts Spezielles gegen die Deutschen – sie haben etwas gegen alle, die Irland „ausnutzen“. Auf dem Flugblatt, daß sie beim Pferdezüchter Dr. Andree im County Meath bei Nacht und Nebel hinterließen, formulierten sie ihre Beschwerden so: „Mehr und mehr irisches Land und Vermögen wird uns von Ausländern genommen, die hohe Preise für das beste Land in unserem Lande zahlen können... Nur die I.R.A. wird Maßnahmen gegen den Ausverkauf irischen Landes ergreifen können... Über das ganze Land nutzen ausländische und einheimische Spekulanten unser Volk aus ... und im eigenen Land werden wir als zweitklassige Bürger behandelt...

Der stets Pfeife rauchende Mac Giolla, in seinem bürgerlichen Leben Angestellter der Dubliner Elektrizitätsversorgung, ist Präsident der Sinn Fein Bewegung, dem ideologischen Kopf der militanten I. R. A., die niemals die Trennung Irlands in zwei Teile akzeptierte. Die Sinn Fein verlangte schon 1921 die völlige Loslösung Irlands von Großbritannien und die Ausrufung der Republik – was dann erst 1937 geschah.

Da sich in diesem Jahr zum 800. Male die Invasion Irlands durch die Normannen jährt, hielten es Mac Giolla und seine zwei- bis dreitausend „national-sozialen“ Anhänger für richtig, sich wieder zu Wort zu melden und gegen alles Front zu machen, was die politische Selbständigkeit des Landes „durch fremde kapitalistische Unterwanderung“ aushöhlen könnte. Offiziell enthalten sie sich jeder Gewalt. Aber sie haben offenbar nichts dagegen, wenn zornige junge I.R.A.-Leute ein amerikanisches Fischerboot in die Luft jagen oder deutsche, aber auch englische und holländische Farmen niederbrennen.

Mac Giolla und seine Anhänger haben seit 1958 keinen Sitz im irischen Parlament mehr. Und – glaubt man der offiziellen Lesart in Dublin – so wäre diese Bewegung heute politisch völlig bedeutungslos, wenn sie nicht immer wieder einige lunatics – Narren – hervorbrächte, die sich dem in Irland beliebten Spiel der Verschwörung hingeben.

Diese jungen, am Tage bestechend freundlichen Leute hätten nun einmal den Hang zur heimlichen Aktion und zum „Zündeln“, vor allem nach einigen Whiskys im dörflichen Pub. Entschieden wird bestritten, daß die I.R.A. eine militärisch straff organisierte und durch Eid verschworene Truppe sei, die ihre Aktionen strategisch wohldurchdacht ausführe. Aber es gebe viele kleine Gruppen, die sich leicht zusammenfinden und dann umgehend zur Tat schreiten.