Wenn die Reederei-Leitung der Hamburg-Amerika Linie (Hapag) ihren Geschäftsbericht mit dem Satz einleitet "Das Jahr 1968 gehört zu den erfolgreichsten in der Nachkriegsgeschichte unserer Gesellschaft", dann kann der Aktionär ohne weiteres davon ausgehen, daß es das beste Jahr der letzten Jahrzehnte gewesen ist. Gemessen an der Dividende bestimmt, denn zehn Prozent hat er seit Kriegsende noch niemals erhalten. Vieles spricht dafür, daß das 1968er Ergebnis in diesem Jahr noch übertroffen wird.

Ob die Aktionäre deshalb aber mit einer weiteren Dividendensteigerung rechnen können, steht auf einem anderen Blatt. Das hat in der Praxis der Großaktionär, die Deutsche Bank, zu entscheiden, die etwa 63 Prozent des Hapag-Aktienkapitals im eigenen Portefeuille hat. Daß die Deutsche Bank nicht gewillt ist, auf die Dauer auf eine angemessene Verzinsung ihres angelegten Kapitals zu verzichten, hat sie in den letzten Jahren bewiesen. Die jetzt auszuschüttenden zehn Prozent stellen einen Kompromiß zwischen den berechtigten Wünschen der Aktionäre und den Finanzerfordernissen der Reederei dar, die trotz der auf 66,9 (58,2) Millionen Mark gestiegenen Abschreibungen noch längst nicht alle steuerlichen Möglichkeiten dieser Art ausgeschöpft hat.

Wenn der Kurs der Hapag-Aktien in den letzten Wochen an der Börse gestiegen ist, dann ist dies nicht ausschließlich auf die Dividendenerhöhung zurückzuführen. Daneben spielen auch die Gespräche über eine mögliche Fusion mit dem Bremer Norddeutschen Lloyd eine Rolle. Gegenwärtig liegt dieses Problem noch auf den Schreibtischen der Deutschen Bank und der Dresdner Bank (Großaktionär des Norddeutschen Lloyds). "Bei den Vorständen ist die Bereitschaft zu dem Zusammenschluß vorhanden", hieß es auf der Hapag-Pressekonferenz.

In Börsenkreisen will man wissen, daß die beteiligten Banken sich noch über Bewertungsfragen streiten. Aus optischen Gründen, so heißt es, soll eine Fusion im Verhältnis 1:1 angestrebt werden. Zum Ausgleich der unterschiedlichen Wertverhältnisse, so wird zur Zeit spekuliert, müßte dann die Hapag vorher an ihre Aktionäre Gratisaktien ausgeben, wozu wiederum in der Bilanz vorerst noch die Voraussetzungen fehlen.

Die Lösung der Fusionsfrage braucht nicht in Hast gesucht zu werden. Schon heute ist die Zusammenarbeit beider Reedereien so eng wie wirtschaftlich notwendig. "Schließlich leben wir bereits 20 Jahre lang in wilder Ehe glücklich miteinander", hieß es zu diesem Thema im Hapag-Vorstand. K. W.