Die Eurodollar-Wandelanleihen, vor einem Jahr noch beliebte Anlagepapiere, haben an Anziehungskraft eingebüßt. Ihre Besitzer erlitten nicht unbeträchtliche Kursverluste: einmal wegen der allgemeinen Schwäche der amerikanischen Aktien, zum anderen wegen der Zinssteigerungen in den USA und damit auch auf den Eurodollar-Märkten.

Kein Industrieland kann sich auf die Dauer Kreditzinsen von 12 bis 13 Prozent leisten, ebensowenig können Unternehmen auf die Dauer Anleihezinsen von 8 bis 10 Prozent verkraften. Deshalb ist anzunehmen, daß sich das Zinsniveau in den USA noch in diesem Jahr zurückentwickeln wird. Vermutlich befinden sich die USA jetzt in der Schlußphase des energischen Kampfes gegen die Inflation. In den USA rechnet man damit, daß die Investitionen demnächst eingeschränkt werden. Was wir jetzt erleben, dürfte die Restfinanzierung im Bau befindlicher Investitionsvorhaben sein, die unter Biegen und Brechen zu Ende geführt werden. Sinken die Zinsen, dürften die Eurodollar-Anleihen in ihrer Eigenschaft als festverzinsliche Papiere davon profitieren.

Ob sich auch die amerikanischen Aktien von ihrer gegenwärtigen Schwäche schon so bald erholen werden, ist zweifelhafter. Immerhin kann man davon ausgehen, daß Wall Street das Schlimmste hinter sich hat. In den Kursen kommt bei den Gesellschaften eine Gewinnschmälerung bereits zum Ausdruck. So rechnet das Düsseldorfer Bankhaus Friedrich Simon damit, daß bei soliden Werten der Tiefpunkt bereits weitgehend erreicht wurde. „Wenn es weitere Abschwächungen geben sollte, dürften davon mit ziemlicher Sicherheit Aktien kleinerer Gesellschaften betroffen sein, die in den vorangegangenen Phasen allgemeiner Börseneuphorie bis zu Preisgewinnverhältnissen von 20 bis 30 hochgerissen wurden.“

Simon empfiehlt beim Erwerb von Eurodollar-Wandelanleihen folgende Gesichtspunkte zu beachten:

  • Der Kurs soll möglichst unter 100 Prozent liegen. Dadurch wird das Risiko begrenzt, weil die Anleihen zum Kurs von 100 Prozent zurückgezahlt werden müssen. Sinkende Zinssätze schlagen sich sofort in steigenden Kursen nieder.
  • Die Muttergesellschaft, in deren Aktien die Wandelanleihe gewandelt werden kann, sollte zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis bewertet sein, das in etwa bei 15 liegt.
  • Die Prämie, das heißt das Aufgeld, das auf Basis des heutigen Aktien- und Wandelanleihekurses bei Wandlung in die Aktie zu zahlen ist, sollte möglichst gering sein, um die Abhängigkeit von stärkeren Aktienausschlägen zu mindern.
  • Die Wandelanleihe sollte eine gute Rendite bringen.

Bei Wandelanleihen, deren Unternehmen die vorgenannten Voraussetzungen erfüllen, lassen sich Renditen erzielen, die bis zu 6 1/2 Prozent liegen. Dabei sind die Steuern nicht berücksichtigt. Wegen der steuerfreien Rückzahlungsgewinne ergeben sich – je nach Höhe der individuellen Steuerprogression – höhere Bruttorenditen.

Ohne Zweifel gehört heute noch Mut dazu, sich auf diesem Markt zu engagieren. Die Kurssteigerungen in den letzten Tagen zeigen jedoch, daß das Bankhaus Simon mit seiner Ansicht nicht allein steht. Unterschiedliche Auffassungen über die künftige Zinsentwicklung in den USA gibt es heute kaum noch, wohl dagegen über die Zukunft der amerikanischen Aktienkurse. Ein namhafter holländischer Börsenexperte vertritt die Ansicht, daß noch drei Jahre vergehen werden, ehe sich die amerikanische Börse von dem Schock der letzten Monate erholen wird.

K. W.