Das pakistanische Militärregime fand Gnade vor den Augen westlicher Entwicklungshilfegeber. Das sogenannte Pakistan-Konsortium – ihm gehören außer der Weltbank, den USA, Frankreich und der Bundesrepublik noch sechs weitere westliche Länder an – gibt für das kommende Planjahr zwei Milliarden Mark. Dräuende kommunistische Gefahr, so zeigt sich, macht westliche Länder spendabel.

Nicht verborgen blieb, trotz des großzügigen Konsortiumbeschlusses, daß Entwicklungshilfe so uneigennützig nicht geleistet wird. Die Pakistani, so berichteten „Handelsblatt“ und „Neue Zürcher Zeitung“ übereinstimmend, müssen, um in den Genuß der Entwicklungshilfe zu kommen, den Geberländern Waren abnehmen, deren Preise oft bis zu 100 Prozent über dem Weltmarkpreis liegen.

Nicht ohne Grund, wenn auch vergebens, hatte Pakistan bei den letzten Kreditverhandlungen mit dem „Konsortium“ verlangt, die Gläubiger sollten Weltmarktpreise garantieren, wenn sie das Schuldnerland zur Abnahme von Waren verpflichten. Häufig fordern die Kreditgeber die Abnahme subventionierter Waren und bürden damit den Entwicklungsländern die Unterstützungskosten für die eigenen notleidenden Wirtschaftszweige auf.

Die USA zwangen zum Beispiel im vergangenen Jahr die Pakistanis dazu, Düngemittel abzunehmen, deren Preise – wie die der amerikanischen Chemieprodukte überhaupt – weit über dem Weltmarktniveau liegen.

Pakistan ist heute bereits in einer Zwangslage: Die Kredite, die das Land von westlichen Staaten erhält, sind oft niedriger als die Zins- und Tilgungslasten (heute insgesamt 520 Millionen Mark im Jahr), die Islamabad für frühere Kredite an diese Staaten zurückzahlen muß. So haben die USA und die Weltbank mit dem jüngsten Darlehen nur frühere Kredite gestundet, Frankreich muß nur etwa 15 Prozent der versprochenen Summe tatsächlich bereitstellen.

In Pakistan zeichnet sich noch eine andere gefährliche Entwicklung ab: Die mageren Exportgewinne werden für die Schuldentilgung ausgegeben; zusätzliches Kapital für Investitionen wird aus dem Export kaum gewonnen. Die Weltbank hat eine kritische Grenze von 20 Prozent errechnet, die der Schuldendienst gemessen am Exportvolumen höchstens erreichen darf. Pakistan hat sich mit 17 Prozent dieser Marke bedrohlich genähert.

„Für ein trauriges Kapitel“ hält das Bonner Ministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit die Praktiken, die bei der Entwicklungshilfe oft angewendet werden. Die einheimische Lobby, beispielsweise, dringe auf die Abnahme von Waren, die das Entwicklungsland gar nicht brauche.