Zwei Sicherheitsvordersitze mit Kopfstützen kosten zusätzlich 39,96 Mark einschließlich Mehrwertsteuer. Sie werden vorläufig nur von einem Bruchteil der Käufer im Inland verlangt.“ So die Antwort des Volkswagenwerkes auf die Frage, ob die Sicherheitssitze, das „Chorgestühl“ (ZEIT Nr. 24), auch vom deutschen Kunden gewünscht werden. Nach USA wird der VW nur noch mit diesen Sitzen geliefert,,weil sie dort seit August 1967 vorgeschrieben sind.

Viele amerikanische VW-Besitzer haben sich freilich – so scheint es – nur unter dem Zwang der Vorschriften mit den hohen Lehnen abgefunden. Als es die entsprechende Sicherheitsnorm in den USA noch nicht gab, bauten viele VW-Händler das „häßliche Chorgestühl“ kurzerhand wieder aus. Sicherheit scheint sich zwar allmählich verkaufen zu lassen, häßliche Sicherheit offenbar nicht.

In Wolfsburg entwickelte man jetzt neue Sitze. Sie sind im oberen Teil wesentlich schmaler. Wir sahen die Sitze in einem VW 411, dort machen sie einen guten Eindruck. Sie werden in die normalen Sitze stabil eingesteckt und wirken zierlich, weil sie nicht kompakt, sondern etwa halbmondförmig sind. So bleibt zwischen Lehnenoberkante und Stütze eine kleine Bogenöffnung. Käfer mit den neuen Sicherheitssitzen wurden freilich noch nicht gezeigt.

Schwedische Autofahrer scheinen im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen sicherheitsbewußter zu sein – ohne Rücksicht auf Schönheit. Nach Schweden werden jetzt nämlich auch die VW-Käfer ausschließlich mit Sicherheitssitzen – den alten, häßlichen – geliefert, obwohl sie dort gar nicht vorgeschrieben sind. Pressechef Sigvart Andersson von Svenska Volkswagen: „Ab Modelljahr 1969 verkaufen wir diese Sitze als Standard. Etwa 30 000 Wagen pro Jahr. Wir hatten zuerst einige Schwierigkeiten, aber nicht mit den Kunden, sondern mit unseren Verkäufern. Die sagten: Das können wir nicht verkaufen. Aber nach einem Monat waren sie still.“

Bleibt die Frage: Sind es bei uns in Deutschland nun die Händler oder die Käufer, die das „häßliche Chorgestühl“ nicht wollen? G. H.