Westdeutschlands Zementhersteller haben Sorgen. Ihr Absatz, der bis 1966 praktisch ohne Unterbrechung auf 33,9 Millionen Tonnen wuchs, stagniert. Im letzten Jahr wurden mit 32,6 Millionen Tonnen sogar nur genausoviel abgesetzt wie 1964. Und die weiteren Aussichten sind auch nicht gerade günstig. Branchenkenner meinen, daß in den nächsten fünf Jahren Wachstumswerte von jährlich drei Prozent schon viel wären.

Zum bestimmenden Ereignis der Zementindustrie wurden aber die harten Preiskämpfe im Ballungsgebiet Westfalen. Nach der Kartellaufhebung nahm der Wettbewerb ab Oktober 1967 immer stärkere Ausmaße an. Während im Durchschnitt des Bundesgebietes für die Tonne Zement 40 Mark und mehr gezahlt wurden, kostet sie in Westfalen teilweise nur 25 Mark bei einem Selbstkostenpreis von 29 bis 30 Mark je Tonne.

Harald Dyckerhoff, Vorstandschef des auch davon betroffenen gleichnamigen Unternehmens, erklärte: „Der harte Wettbewerb der ineinander verbissenen westfälischen Zementhersteller, die glauben, Alt- und Neuanlagen aus Kostengründen zusammen beschäftigen zu müssen, obwohl kein Markt für so große Kapazitäten vorhanden war, hat jegliche Einigungsmöglichkeit verhindert.“

Das neben den Portland-Zementwerken Heidelberg größte Unternehmen der Branche (Marktanteil der beiden Konkurrenten jeweils etwa 20 Prozent), die mehrheitlich im Familienbesitz befindliche Dyckerhoff Zementwerke AG in Wiesbaden, spürte den harten Wettbewerb trotz mehrerer über die Bundesrepublik verteilter Werke. Der Zementabsatz nahm zwar im Konzern noch um 1,3 Prozent zu. Aber der bereinigte Umsatz fiel um 6 Prozent zurück.

Der Ertrag nahm noch bedeutend stärker ab: der Gewinn je 50-Mark-Aktie betrug nur noch 8 nach 11 Mark. Die Gesellschaft sah sich daher veranlaßt – wie die meisten Unternehmen der Branche –, die von 1964 bis 1967 gezahlte 16prozentige Dividende auf 12 Prozent zu reduzieren. Die Begründung: bei einer solch ungewöhnlichen Situation sei man „berechtigt“, ja sogar verpflichtet, Vorsorge zu treffen.

Inzwischen gehen die Gespräche in Westfalen um eine Bereinigung der Krise weiter. Nachdem die geplante Aktionsgemeinschaft westfälischer Zementwerke bisher nicht zustande kam, schlägt Dyckerhoff als Beispiel für den Raum Beckum (dort befinden sich zwei eigene Zementwerke) eine neue Lösung vor: Den Bau eines Gemeinschaftswerkes mit den dort ansässigen mittleren Unternehmen. Damit soll gleichzeitig die Kapazität verringert und ein „Optimum an Umstrukturierung und Rationalisierung“ erreicht werden.

eh.