Paul Levi, eine der bedeutendsten Figuren der Weimarer Zeit

Von Richard Schmid

Paul Levi: „Zwischen Spartakus und Sozialdemokratie. Schriften, Aufsätze, Reden und Briefe“; herausgegeben und eingeleitet von Charlotte Beradt; Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt 1969; 338 Seiten, kart. 18,– DM, Ln. 25,– DM.

Charlotte Beradt: „Paul Levi. Ein demokratischer Sozialist in der Weimarer Republik“; Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt 1969; 157 Seiten, brosch. 12,– DM.

Wenn man über Paul Levi etwas sagen will, muß man ihn der breiten Leserschaft, die ihn entweder vergessen oder nie von ihm gehört hat, erst vorstellen. Er ist einer der bedeutendsten Gestalten der Weimarer Zeit, bedeutender als viele ihrer Vordergrundsfiguren, die es durch Anpassung, Ellbogen oder Schläue oder auch dadurch, daß sie einen Krieg haben verlieren oder eine Revolution haben verhindern helfen, zu Ruhm und zu Straßennamen gebracht haben. Auch in seiner Vaterstadt Hechingen unter dem Hohenzollern, wo er am 11. März 1883 geboren wurde, weiß man nichts von ihm, obwohl er von älterem Adel ist als die Hohenzollernprinzen, deren man dort eher gedenkt.

Paul Levi war leidenschaftlicher Sozialist und eine Zeitlang, nach der Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs, gar Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands. Er war ein Mensch von höchster Begabung und Bildung, von großer Ausdrucksfähigkeit als Redner und Schriftsteller, viel zu geistreich und witzig für das politische Milieu, in dem er sich leider zeit seines Lebens zu bewegen hatte, seien es Parteiverbände oder Parlamente. Wenn solche Eigenschaften dazu mit dem inneren Drang und Zwang verbunden sind, sich über die Dinge eine eigene Meinung zu bilden und diese zu äußern und zu vertreten – von der anderen Seite aus gesehen erscheint solche Haltung jeweils als Mangel an Disziplin –, so sind schwere Konflikte unvermeidbar.

Die Konflikte, in die Paul Levi sich verstrickte, sind heute noch von großer sachlicher und exemplarischer Bedeutung, weshalb die beiden angezeigten Bücher – die Sammlung von Schriften und Reden und die Biographie – nicht nur erwünscht, sondern nötig sind. Dazu kommt das hohe Interesse, das die Person Paul Levis für sich allein bietet. Beides, die sachlich-politische und die persönliche Strähne sind im Falle Paul Levis auf höchst tragische Weise verflochten, sowohl durch sein Leben wie durch seinen Tod.