Unter den vielen Europäern, die sich der Sache Biafras angenommen haben, ist der schwedische Pilot Graf Rosen weltberühmt geworden. Im vergangenen Sommer startete er von São Tomé aus mit einer alten Zivilmaschine und flog Lebensmittel und Medikamente in den belagerten Kessel. In diesem Frühjahr organisierte er zusammen mit Freunden die Operation „Biafra Baby“: fünf kleine Schulmaschinen, die unter dem Zeichen Biafras militärische Ziele in Nigeria bombardierten.

Inzwischen sind Rosen und seine Freunde wieder in Schweden. Dort gab er John de St. Jorre vom englischen Observer ein Interview. Erhöhte Gefahr, so meint Rosen, drohe jetzt den Biafranern, weil die ägyptischen Piloten, die bisher die nigerianischen Maschinen flogen, ausgewechselt worden sind: „Jetzt haben sie einige recht gute Piloten, wir haben ihre Stimmen über Funk gehört. Sie klingen englisch.“ Rosen ist überzeugt, daß es sich um Piloten der Royal Air Force handelt. Das Foreign Office hat diese Vorwürfe inzwischen kategorisch zurückgewiesen. Nicht auszuschließen ist aber, daß englische und rhodesische Flugzeugführer von Lagos angeheuert worden sind und als Söldner im Dienste Nigerias ihre Attacken gegen Biafra fliegen.

Zur Zeit halten sich keine schwedischen Piloten in Biafra auf, Rosen und seine Freunde sind vor einem Monat zurückgekehrt. Die Maschinen werden jetzt von Biafranern geflogen, die neulich auf eigene Faust einen Angriff gegen neu errichtete Shell-Raffinerien unternahmen.

„Der ehemalige Teamleiter vom Internationalen Roten Kreuz, Lindt, der für die Hilfsoperationen in Nigeria und Biafra verantwortlich war, behauptet, ich hätte den Krieg angeheizt“, entrüstet sich Graf Rosen. „Aber Botschafter Lindt weiß über diesen Krieg nicht Bescheid.

Er glaubte, der Sieg über Biafra stehe bereits fest. Er ist ein ehrenwerter Mann, aber er meint, er könne sowohl als Friedensstifter auftreten wie auch als Koordinator der Biafra-Hilfe. Dadurch wurde er für alle Seiten unglaubwürdig, er verlor das Vertrauen. Was stimmt, ist, daß wir durch unsere Bombardements die Hälfte der nigerianischen Luftwaffe ausgeschaltet und den Krieg um 50 Prozent reduziert haben.“

Rosen erzählt die Vorgeschichte seiner militärischen Hilfsoperation. Mit General Ojukwu hatte er Weihnachten die „Operation Biafra Baby“ abgesprochen. Fünf leichte Schulmaschinen vom Typ Minicon wurden von Ojukwu in Paris gekauft und über Tansania und Gabun nach Biafra gebracht. Diese kleinen Zweisitzer haben eine Hundert-PS-Maschine, erreichen eine Geschwindigkeit von 190 Stundenkilometer, sind leicht zu fliegen und leicht zu warten. Jede Maschine kann rund ein Dutzend Raketen befördern.

Von einem im Busch verborgenen Flugplatz startete Rosen den ersten Flug gegen Nigeria. „Ich hätte es mir nie verziehen“, sagte er, „wenn ich dieses waghalsige Unternehmen andere hätte ausprobieren lassen.“ Der erste Angriff wurde von vier Maschinen geflogen. Rosen führte die Formation an, deutlich zu erkennen in dem offenen Cockpit: er trug eine kanariengelbe Baseball-Mütze. Die drei anderen Maschinen wurden von zwei Schweden geflogen und dem Biafraner Augustus Okpe, dem 27jährigen Chef der biafranischen Luftwaffe.