Von Hellmuth Karasek

In Amerika, so konnte man unter der Rubrik „Vermischtes“ in vielen Zeitungen lesen, hat ein ganzer Ort geschlossen den Entschluß gefaßt, künftig dem Rauchen zu entsagen. Tabakballen wurden verbrannt, Eide ausgestoßen. Angeregt worden war die Gemeinde durch einen Film, in dem ein Millionär für ähnlich mustergültiges Verhalten eine erkleckliche Summe Geldes ausgesetzt hatte. Im Film. Die Gemeinde dagegen faßte ihren gesunden Beschluß aus purem Idealismus. Smoke carefully, for death is so permanent.

Solches geschah im Juli 69, zur gleichen Zeit also, als eine andere amerikanische Ortschaft namens Swedesboro, im Staate New Jersey, das Küssen in der Öffentlichkeit verbot. Während also in der einen Gemeinde in Zukunft heimlich auf dem Klo geraucht wird – nein, man soll sich das lieber nicht weiter ausmalen ...

Im Oktober 69 wurde in der Nichtrauchergemeinde der an sich unbescholtene Bürger Meady verdächtigt, das Rauchverzichtsgelübde durchbrochen zu haben. Der Prozeß, wegen Eidbruchs und versuchten Selbstmordes, respektive versuchter Selbstverstümmelung, wurde auf Grund von Indizien geführt. Frau MacDonald, die überraschend zu Frau Meady auf Besuch kam, um sich ein Kuchenblech auszuleihen, bemerkte die Verlegenheit der Frau Meady sowie einen fremdartigen Geruch im Zimmer, der – sie wußte das von einer Reise nach New York – nur vom Zigarettenrauchen herrühren konnte. Im Garten hörte sie zudem Herrn Meady husten.

Die Wäschereibesitzerin Brown bestätigte, daß die Gardinen der Meadys erstaunlich oft zum Waschen gebracht wurden. Der Drugstoreverkäufer Shennan berichtete von einem Besuch des Herrn Meady, kurz vor Ladenschluß. Er will eine nervöse Scheu, auch leicht angebräunte Finger an dem späten Kunden bemerkt haben, der nach einem Bimsstein verlangte. Meady wurde zu vier Tagen Pranger sowie zu drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Er weinte bei der Verkündung des Urteils und sagte: „Ich bin Nichtraucher!“

Bereits im August 69 richtete die Bürgerschaft nach einem mit Zweidrittelmehrheit gefaßten Beschluß an die lokale Fernsehstation die Bitte, nur noch Filme auszustrahlen, in denen alle Raucherszenen getilgt wären. Die wöchentliche Westernserie „High Canonenball“ verkürzte sich daraufhin von 40 auf 12 Minuten. In der Restzeit wurde ein auf Gemeindekosten gedrehter Film vorgeführt, der zeigte, daß Hippies, Chinesen und Vietnamesen (Nord) starke Raucher seien.

Im Dezember 69 wurde das Auto des schwedischen Touristen Linderstrom demoliert. Er hatte, auf der Durchreise nach Disneyland eine Kippe aus dem Fenster seines Wagens geworfen, und zwar vor der Schule. Nur dem mutigen Eintreten von Doktor Furgeson gelang es, das Lynchen des Schweden zu verhindern.

Zur gleichen Zeit mußten Jugendliche in Swedesboro – der Kußverbotsstadt – bei Auslandsreisen bereits eine eidesstattliche Erklärung abgeben, daß sie auch in Italien, Holland und Deutschland nicht! In unsicher erscheinenden Fällen hatte die Stadtverwaltung das Recht, einen Reisebegleiter auf Kosten des Verdächtigen zu bestimmen.