Von Unruhen, Streiks und Demonstrationen geschüttelt, von Parteienhader und persönlichen Rivalitäten zerrissen, ist Italien am vorigen Wochenende in die schwerste Staats- und Regierungskrise seit dem Zweiten Weltkrieg getaumelt. Die Regierung Rumor demissionierte, nachdem sich eine der drei regierenden Koalitionsparteien, die PSI, in ihre sozialistischen und sozialdemokratischen Bestandteile aufgelöst hatte.

Staatspräsident Saragat hat Rumor beauftragt, die Regierungsgeschäfte interimistisch weiterzuführen. Er wollte am Donnerstag mit seinen Bemühungen um eine Beilegung der Krise beginnen. Bis dahin verstärkten sich freilich die Sturmzeichen: Am Montag kündigte die Führung der Republikanischen Partei, kleinster Partner der bisherigen Mitte-Links-Koalition, vor dem Parlament an, sie werde sich an einer Neuauflage des Regierungsbündnisses nicht mehr beteiligen. Damit sanken die Überlebenschancen des Centro-Sinistra, das seit sechs Jahren sämtliche italienische Kabinette gestellt hatte, praktisch auf den Nullpunkt.

Aus dem sich abzeichnenden Machtvakuum schienen, wie die Dinge Mitte der Woche lagen, nur noch vier denkbare Wege herauszuführen:

  • eine Minderheitsregierung der „Democrazia Cristiana“, die von ihren bisherigen Koalitionspartnern toleriert wird;

„Neuwahlen, die frühestens im Oktober stattfinden und die zu einer Machtverlagerung nach extrem links oder nach extrem rechts führen könnten;

  • ein Staatsstreich rechtsgerichteter Kräfte und des Militärs nach griechischem Muster, wie er angeblich bereits 1964 unter dem Carabinieri-Chef De Lorenzo gedroht hatte;
  • eine Beteiligung der Kommunisten an einer Koalition von Christdemokraten und Sozialisten.

Die Mitte-Links-Regierung befand sich in einer latenten Krise, seit die KPI neben der Democrazia Cristiana bei den Parlamentswahlen im Mai vorigen Jahres starke Stimmengewinne zu Lasten der PSI errungen hatte. Im Juni konnte der Christdemokrat Leone ein geschäftsführendes Minderheitskabinett bilden, das bis zur Erneuerung des Centro-Sinistra amtierte.