Der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband (ADH) hat mit seiner Idee einer Hochschulsportwoche ein Novum geschaffen. Zum ersten Male in der Geschichte des Hochschulsportes wurden die Hochschulmeisterschaften nicht als Einzelmeisterschaften an verschiedene Universitäten vergeben, sondern im Rahmen einer Hochschulsportwoche vom 23. Juni bis 29. Juni in Heidelberg durchgeführt. Deutschlands akademische Spitzenathleten kämpften in den Disziplinen: Basketball, Handball, Fußball, Volleyball, Hockey, Fechten, Tennis, Turnen und Leichtathletik um sportlichen Lorbeer. Finale und Höhepunkt sollten die Wettbewerbe in der Leichtathletik werden. Glanzvolle Namen, bekannt von internationalen Sportarenen, waren angekündigt, hervorragend präparierte Wettkampfstätten versprachen das Fluidum spannender Wettkämpfe.

Es blieb bei der Hoffnung. Von der Phalanx der Spitzenkönner machte nur ein kleiner Teil seine Aufwartung. Internationale Verpflichtungen, wie die Ausscheidungen zum Erdteilkampf Europa–USA, und die Gefahr, sportliches Kapital beim Unterliegen gegen unbekannte Gegner aufs Spiel zu setzen, reduzierte die Zahl der angetretenen Stars auf ein Minimum. Anlaß zum unnötigen Schweißvergießen bestand ohnehin nicht, denn Fahrkarten für große Kämpfe waren nicht zu vergeben. So dominierte die Garde aus der zweiten Reihe.

Die hervorragenden Leistungen sind bald aufgezählt: 200 m in 20,6 Sekunden durch Jochen Eigenherr von der Universität Düsseldorf (sein großer Konkurrent Martin Jellinghaus war zum Endlauf nicht angetreten), dann die 13,7 Sekunden über 110 m Hürden durch Nickel, die 58,74 m im Diskuswerfen durch Hein-Direk Neu, die 7,61 m im Weitsprung durch den unbekannten Köwring von der Uni Bochum, der sich als das Talent entpuppte und einen Mann wie Michael Sauer zum Statisten degradierte.

Der Rest versank in Mittelmäßigkeit: Stabhochsprungsieg mit 4,40 m, 100 m Sprint in 10,5 Sekunden, 400-m-Lauf in 47,9 Sekunden, 800-m-Lauf in 1:52,5 Sekunden (Favorit Kemper lief nur in der 3mal 1000-m-Staffel). Dramatik und Spannung boten die 5000 m, Lutz Philipp wurde nur Sieger durch eine umstrittene Entscheidung des Kampfgerichtes vor dem zeitgleichen Schmidt vom Hamburger SV.

Hielt sich die Mittelmäßigkeit bei den Männern in Grenzen, so war das Leistungsniveau bei den Frauen eine Katastrophe. Eine Hochschulmeisterin im Kugelstoßen mit einer Weite von 11,60 m sind Schamtränen wert. Das Diskuswerfen der Frauen wurde gestrichen, weil nur eine Teilnehmerin am Start erschien.

Zieht man das Fazit, so muß die Bilanz dieser leichtathletischen Wettkämpfe in den roten Zahlen zu suchen sein. Sie sind die Bilanz eines Jahres zwischen zwei Universiaden.

Positiv ist die Idee der Hochschulsportwoche. Sie ist mit dem Prädikat empfehlenswert zu versehen, denn durch die Kombination der verschiedenen Sportarten beweist sie den Charakter eines echten Sportfestes. Hans-Dieter Trosse