Ist die sowjetische Flottendemonstration "vor der Haustür" der Vereinigten Staaten die Antwort auf die spektakuläre Reise von US-Präsident Nixon nach Rumänien? Diese Frage stellten sich Beobachter in Ost und West, als bei Wochenbeginn bekannt wurde, daß ein sowjetischer Raketenkreuzer, zwei Nachrichtenschiffe, zwei Unterseeboote, ein Mutterschiff und ein Tanker der kubanischen Hauptstadt Havanna vom 20. bis zum 27. Juli einen Besuch abstatten werden – nur eine Woche, bevor Nixon in Bukarest eintrifft.

Inzwischen gingen die Spekulationen um die Nixon-Reise weiter. Die bulgarische Zeitung "Otetschestwen Front" warf dem amerikanischen Präsidenten vor, er wolle mit seiner Reise die "Grundlage für eine Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten mit Osteuropa ohne die Sowjetunion legen", Hingegen vermutete die ungarische Wochenschrift "Magyarorszag", Nixon werde die Sonderlage Rumäniens benutzen, "um eine neue Form der ‚Herstellung eines Kontaktes mit China‘ zu schaffen".

Auf einer Pressekonferenz versuchte US-Außenminister Rogers vorige Woche, die Absichten seines Präsidenten zu interpretieren. Er erwähnte dessen "Interesse an Asien" (Nixon wird vor Rumänien fünf asiatische Länder besuchen), "vor allem an einer Beendigung des Krieges in Vietnam". "In diesem Zusammenhang", so fuhr Rogers fort, "sprachen wir auch über Rumänier." Wenig später nannte der Außenminister jedoch "die Ost-West-Probleme" und "Handelsfragen" als Hauptpunkte der Bukarester Gespräche. Die Sowjetunion sei über den Reiseplan nicht informiert worden, doch glaube er nicht, daß Nixons Rumänien-Besuch "die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und uns verschlechtern würde".

Zwei Tage später warnte die Moskauer Regierungszeitung "Iswestija" die USA davor, die "wahren Kräfteverhältnisse der Welt" falsch einzuschätzen und eine "Politik fürs Publikum" zu machen, die nur zu einer "spektakulären Niederlage" führen könne.