In der Bischofsstadt Münster ist der katholische Verleger der "Westfälischen Nachrichten", Anton Wilhelm Hüffer, päpstlicher als der Papst. Er lehnte es strikt ab, den Lesern seines Blattes eine Anzeige zuzumuten, in der sieben evangelische und vier katholische Theologen der Wilhelmsuniversität den Bürgern Münsters verkünden wollten: "Wir wählen diesmal SPD."

Hüffer, Mitglied der CDU, berief sich schlicht auf die "Einstellung" seines Hauses. Dem katholischen Ordinarius für ökumenische Theologie, Peter Lengsfeld, klagte er zudem: "Ich kann es nicht verstehen, daß sich Theologen beider Konfessionen für die SPD engagieren." Lengsfeld gehört wie der Professor der Pädagogischen Hochschule Westfalen-Lippe, Walter Rest, und der evangelische Pfarrer Jürgen Hülsmann zu den Begründern der "Wählerinitiative münsterscher Bürger".

Die Theologen, unter ihnen der Sprecher des "Bensberger Kreises", Norbert Greinacher, wollten in der Annonce auch den Grund ihrer Wahlentscheidung kundtun: "Nach 20 Jahren CDU-Vorherrschaft ist ein Wechsel in der politischen Verantwortung fällig. Die SPD hat bewiesen, daß sie regieren kann. Jetzt soll sie den Bundeskanzler stellen. Für die Demokratie ist es nötig, daß eine andere Partei die Regierungsverantwortung übernimmt."

Das freilich machte den Anzeigenchef der Zeitung stutzig. Er hat ohnehin die Weisung, politische Anzeigen dem Verleger und dem Chefredakteur vorzulegen. Verleger, Chefredakteur und Chef der Lokalredaktion entschieden, die Anzeige nicht zu drucken. Chefredakteur Eickhoff: "Wir haben nichts gegen ein Inserat der SPD. Wenn sich aber prononcierte Leute politisch festlegen, dann machen wir uns nicht zum Vorspann einer solchen Plakatierung." Ko.