UN-Generalsekretär U Thant hat die Welt gewarnt: Am Suezkanal, so stellte er am Montag in einem außerordentlichen Bericht zur Lage fest, herrsche wieder „offener Krieg“. Falls die Beschießung der UN-Beobachter andauere, bleibe ihm keine andere Wahl, als die Wächter über die Waffenruhe abzuziehen.

Die Warnung U Thants kam nicht von ungefähr: Von Tag zu Tag steigt an den israelisch-arabischen Fronten zwischen Golan-Höhen und Suezkanal die Zahl der Luftgefechte, Stoßtruppunternehmen, Sabotageakte und Artillerieduelle. Der Waffenstillstand vom Juni 1967 ist praktisch nicht mehr existent, auch der israelische Verteidigungsminister Dayan warnte vor der Gefahr eines neuen Krieges.

Um die Erbitterung auf allen Seiten zu dämpfen, hatte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vorige Woche ein Machtwort gesprochen: Er untersagte den Israelis „in schärfster Form“, den Status der Altstadt von Jerusalem zu verändern. Nach einem arabischen Sprengstoffattentat gegen jüdische Pilger an der Klagemauer, hatte die Besatzungsmacht 200 Anwohner evakuiert und das nationale Polizeihauptquartier von Tel Aviv in den ehemals jordanischen Teil der Heiligen Stadt verlegt.

Nach seiner Resolution vom Mai vorigen Jahres war dies der zweite, noch schärfere Einspruch des Sicherheitsrat gegen die israelische Politik in Jerusa lem. Diesmal stimmten selbst die USA zu die nur mit Mühe die Androhung eine Waffenembargos und eines Wirtschafts boykotts gegen Israel abwehren konnten für die sich einige afro-asiatische Rats mitglieder stark gemacht hatten.

Obwohl sich der Sicherheitsrat für de Fall einer israelischen Weigerung verpflichtete, sofort neue Maßnahmen zu er wägen, beharrten die Israelis auf ihrer bekannten Standpunkt: Jerusalem bleibt so ließ das Außenministerium verlauter „vereinigt und die Hauptstadt des Landes“. Der Sicherheitsrat habe „der Sach des Friedens nicht genutzt“.

Diese Feststellung kann wohl auch fü die Nahost-Gespräche der vier Groß mächte am Rande der Vereinten Natic nen gelten, die jetzt über den Somme vertagt wurden: Trotz einer nicht uner heblichen Annäherung der Sowjets an die amerikanische Position ist eine Lösun für den Nahen Osten nicht in Sicht.

Trotz der verabredeten Sommerpaus aber gehen die Kontakte zwischen Wa shington und Moskau weiter: Unter Staatssekretär Sisco, Leiter der Nahost abteilung im State Department, wollt noch in dieser Woche zu einem kurze Gedankenaustausch in die sowjetisch Hauptstadt fliegen. Die Lunte am orien talischen Pulverfaß glüht – eine erneut Explosion könnte auch die Supermacht in Mitleidenschaft ziehen.