Die Zeiten sind gottlob vorbei, da sich der Furor Teutonicus so wütig zeigte wie hier beim Bürgeraufstand gegen den weiland französischen Erbfeind, geschehen also am 2. Dezember 1792 im besetzten Frankfurt. Der französische Zeichner hat Licht und Schatten gleichmäßig verteilt; das spricht für seine Objektivität Darum wäre es gut gewesen, wenn in dem neuer. Ullstein-Prachtband (Hellmuth Günther Dahms „Deutsche Geschichte im Bild“; Ullstein Verlag. Berlin; 340 S., 400 Schwarzweiß-, 92 Farbabb. 38,– DM) auch noch ein Bild aus unseren Tagen gezeigt worden wäre, als deutsche Bürger einer, französischen Staatsmann umjubelten. Doch kein Herausgeber kann alles bringen, wenn er jedem etwas bieten will und wenn die zu bebildernden Epochen einen Zeitraum von mehr als siebzehnhundert Jahren umspannen.

Der Verlag hat sich die Ausstattung dieses erstaunlich preiswerten Bilderbuches etwas kosten lassen; die ganzseitigen Farbtafeln aus früheren Jahrhunderten sind eine Augenweide; bei den modernen Farbbildern hingegen möchte man lieber wegblicken. Leider wird, dem Text zuliebe, mit dem Platz gegeizt, zu viele der Bilder erscheinen im Zigarettenschachtelformat.

Der Historiker Dahms hat sich bemüht, die deutsche Geschichte einem Laienpublikum so zu erzählen, daß es sich für informiert halten darf. Einwände gibt es genug, vor allem zu seiner Darstellung der Zeitgeschichte, aber solche Bände leben von ihren Lücken. Vollständigkeit ist nicht erstrebt, der Texter ohnehin nur ein Begleiter, doch sei ihm gedankt, daß er Lesern, die bei der Lektüre für die Historie Feuer fangen, die wichtigste weiterführende Literatur vorführt.

Ein deutsches Familienbuch, nicht das erste dieser Art und sicher, nicht das letzte. Und gewiß keine revolutionäre Tat. Bewußtsein wird hier nicht verändert. Die Photos vom brennenden Unteroffizier, vom zermantschten Soldaten auf der Rollbahn sind so bonbonfarben, daß der Krieg schon wieder schön wird. „Der Mensch bleibt stets vom alten Schlag“, seufzt der Herausgeber. Das historische Bilderbuch, so scheint’s, wohl auch:

Karl-Heinz Janßen