Gottfried von Cramm, der in diesen Tagen seinen sechzigsten Geburtstag feierte, ist bisher der einzige Deutsche, dem es gelungen ist, dreimal in Wimbledon ins Endspiel zu kommen. Dem überaus eleganten und ritterlichen Spieler, der jahrelang der Liebling nicht nur des deutschen Publikums, sondern auch der englischen Tennis-Fans gewesen ist, war dieser Ruhm nicht prophezeit worden – im Gegenteil:

Als Gottfried sechs Jahre alt war, wurde ihm von einem Pferd, dem er auf der flachen Hand ein Stück Zucker reichte, ein Stück des Zeigefingers seiner rechten Hand abgebissen. Nachdem sich der erste Schrecken der Familie gelegt hatte, stellte der Vater – ein passionierter Tennisspieler – lakonisch fest: „Schade, nun wird Gottfried nie Tennis spielen können.“

Auch später gab es immer wieder Überraschungen. Niemand hatte damit gerechnet, daß er sich nach 1945 so intensiv für Politik interessieren und seine internationalen Beziehungen so gezielt einsetzen würde. Und daß er schließlich ein erfolgreicher Kaufmann geworden ist, das hätten seine Freunde am allerwenigsten erwartet. Dff.