Zapf hat nachgewiesen, daß 1962 10 Prozent der Attachés dem Adel (etwa 1,8 Prozent der westdeutschen Bevölkerung), 73 Prozent der oberen Mittelschicht, 25 Prozent der unteren Mittelschicht, 2 Prozent der oberen Unterschicht und niemand der unteren Unterschicht (38,6 Prozent der westdeutschen Bevölkerung) entstammten. Der Adelsanteil ist von allen aufgeführten Gruppen höher nur noch in der Generalität (16 Prozent), der Anteil der oberen Mittelschicht nur übertroffen von der Generalität und den Managern. Von den elf im März 1969 amtierenden B-5-Botschaftern entstammen drei dem Adel.

22 Prozent der Attachés stammen aus Beamtenfamilien, 5 Prozent davon aus Diplomatenfamilien. Der nichtakademischen Beamtenschaft des gehobenen Auswärtigen Dienstes kommt eine Schlüsselstellung für die Mobilität der sozialen Struktur des Dienstes zu, "sie ist in besonderem Maße aufstiegsorientiert und daran interessiert, ihren Kindern, mindestens ihren Söhnen, die Möglichkeit zu geben, die eigenen Karrieregrenzen zu überspringen". In den Jahren 1950 bis 1962 entstammten 15 Prozent der Attaches der niedrigen Beamtenschaft (einschließlich Amtmann) des Auswärtigen Dienstes. Sie sind in besonderem Maße bereit, die Leitbilder und die Berufsideologie des Auswärtigen Dienstes zu verinnerlichen, zu imitieren und zu verteidigen, weil sie nicht Positionen und Strukturen in Frage stellen wollen, die sie mühsam erobert haben und unter deren Privilegien ihre Väter womöglich zu leiden hatten.

Ein Aufbrechen der sozialen Struktur oder eine Auffrischung der Laufbahnordnung wird daher nicht von jenen höheren Beamten erwartet werden können, die der gehobenen oder mittleren Beamtenschaft entstammen. Diese "Newcomers" werden vielmehr ganz besonders daran interessiert sein, den Status quo zu konservieren und eine Privilegienausdehnung zu verhindern. Zum Traditionalismus der alten Amtsangehörigen gesellt sich so als Beharrungselement das Karrierebewußtsein der Arrivierten. 100 Prozent der Attachés haben ein Universitätsstudium, 66 Prozent ein Jurastudium absolviert, durchschnittlich 11 Prozent sind Volkswirte, 81 Prozent besitzen den Doktorgrad. Das Juristenmonopol wurde zwar gelockert, doch überwiegen noch immer Juristen mit der Begründung, daß der Auswärtige Dienst ein Verwaltungsdienst sei, für den Juristen den höchsten Sachverstand mitbrächten.

Bei den Juristen, die in den Auswärtigen Dienst eintreten, handelt es sich vor allem um Akademiker, die eine rein juristische Tätigkeit als trocken, langweilig, stur und spießig empfinden, die aber dennoch Jura studiert haben, weil sie einerseits nicht genau wußten, was sie werden sollten, andererseits aber eine allgemeine Führungsqualifikation anstrebten. Dieser Juristentyp hat neben den fachlichen Qualifikationen womöglich Interessen und Begabungen, die er in einer rein juristischen Tätigkeit nicht befriedigen zu können glaubt. Er hat also zu seinem Studium ein dilettantisches Verhältnis, das er später in den Auswärtigen Dienst mit einbringt, er hat aber dennoch aus Angst, Sicherheits- und Prestigebedürfnis im juristischen Studium allein die Bedingungen der Verwirklichung seines Ehrgeizes gesehen. Gerade Schmalspurjuristen neigen zur Diplomatie, da sie ihnen die Befreiung von der juristischen Enge, zugleich aber alle sozialen, Vorteile des Juristenberufs in der deutschen Gesellschaft – sogar in gesteigertem Maße bei geringeren Anstrengungen – zu versprechen scheint: die allgemeine Beamtensicherheit und das besondere diplomatische Sozialprestige, das höher zu veranschlagen ist als das aller sonstigen Verwaltungspositionen, die der Bund oder die Länder zu vergeben haben.

Hinzu kommt, daß bei diesem Beruf immer noch angeborene, nichterworbene, also einem reinen Leistungsauswahlprinzip sich entziehende Begabungen und Tugenden, die bei anderen Berufen eine geringere Rolle spielen, mit in Betracht gezogen werden. Für die Berufswahl mag auch der Gedanke ausschlaggebend sein, daß der Diplomat ein Verwaltungsbeamter eigener Art ist, dem die durch den sozialen Status seiner Position im Ausland (und dem mit ihr verbundenen Sozialprestige) vorgegebenen Rollen einen weiten Spielraum lassen, so daß er die Repressionen, die das juristische Beamtenverhältnis im Inland nicht selten mit sich bringt, nicht spürt.

Der Jurist, der in den Auswärtigen Dienst eintritt, kann das erlernte juristische Fachwissen bei seiner Auslandstätigkeit nur in den seltensten Fällen richtig verwerten. Was er aber seiner Ausbildung verdankt, ist die allgemeine Persönlichkeitsstruktur des deutschen Juristen, die Dahrendorf recht expressionistisch beschrieben hat und die er in dem Satz zusammenfaßt, daß die Juristen den "Inbegriff der in einer Gesellschaft geltenden, also herrschenden Normen, die Inkarnation des Status quo", verkörpern.

Aus der Vorherrschaft der Juristen im Auswärtigen Dienst erklären sich auch die Vorwürfe, die ausländische Beobachter der deutschen Diplomatie immer wieder gemacht haben: sie würde eine zu legalistische und formalistische Betrachtungsweise der Außenpolitik pflegen. Die Juridifizierung und bloße Administration außenpolitischer Vorgänge würde, so argumentieren diese Kritiker, den deutschen Standpunkt zum Beispiel in der Wiedervereinigungsfrage unverständlich und daher auch erfolglos machen. Auch die vornehmlich juristische und nicht politisch geführte Diskussion um die Oder-Neiße-Linie, das Münchner Abkommen, die Berlinklausel, den sowjetischen Interventionsanspruch und den Nonproliferationsvertrag müßten als Folge der Vorherrschaft der Juristen im Auswärtigen Amt angesehen werden.