Was das Auswärtige Amt betrifft, so ist weniger von einem Monopol als von einem Kartell der Juristen zu sprechen, die die Homogenität des Dienstes und der Führungsgruppe garantieren. Selbstverständlich ist diese Juridifizierung für die gesamte deutsche Ministerialbürokratie kennzeichnend, sie wirkt sich aber im Auswärtigen Amt, das mit sehr verschiedenartigen politischen Materien befaßt ist, negativer aus als in anderen Ministerien.

Das Kartell der Juristen gewährleistet jene gemeinsame Sprachregelung, die Behandlung der Probleme von Fall zu Fall und das gesellschaftliche Einverständnis, dem sich auch die nichtjuristischen Beamten des Auswärtigen Dienstes anpassen müssen.

Wie Dahrendorf in der Mobilität, Entjuridifizierung der Führungsgruppen und in der Teilnahme von Nichtjuristen am öffentlichen Leben eine wesentliche Voraussetzung für die Liberalität der deutschen politischen Klasse erblickt, so wäre es auch für das Auswärtige Amt wichtige so viele, Nichtjuristen einzustellen, daß etwa die Hälfte der Positionen mit ihnen besetzt werden kann.

Die Erhebungen von Deutsch und Edinger haben weiterhin, nachgewiesen, daß der Anteil der aus, Mittel- und Ostdeutschland Gebürtigen mit 29 Prozent im Auswärtigen Dienst nach der Bundeswehr mit 41 Prozent am größten von allen Verwaltungseliten der Bundesrepublik ist. Je 12 Prozent kommen aus Nord- und Süddeutschland, und 31 Prozent stammen aus Westdeutschland.

Weiblicher Nachwuchs kann nur in begrenztem Umfang (höchstens etwa 15 Prozent) ins Amt aufgenommen werden, da erwartet werden, muß, daß am Anfang der Laufbahn unverheiratete. Diplomatinnen im Fall einer späteren Heirat vorzeitig aus dem Dienst ausscheiden. Die Verwendungsfähigkeit. von Frauen im Ausland ist wegen der Gesellschaftsstrukturen in den Gastländern begrenzt. Diese Eigenart des diplomatischen Berufs trägt wiederum zur Konservierung patriarchalischer Familienstrukturen bei. Die Protestanten sind überrepräsentiert, was ein Relikt der preußischen Tradition des Auswärtigen Amts sein mag, im übrigen aber ein Kennzeichen aller akademischen Berufe in Deutschland ist.

Trotz des demokratischen Effekts des Leistungsprinzips und der Nivellierung diplomatischer Privilegien durch ihre Ausdehnung auf einen größeren Personenkreis besitzt der Diplomatenberuf ein hohes Sozialprestige.

Ein Prestigeberuf