Verschiedene Umfragen haben ergeben, daß sich einerseits die Diplomaten selbst den "Prestigeberufen" zurechnen (soziale Selbsteinstufung), andererseits die Öffentlichkeit geneigt ist, der Diplomatie einen hohen Rang in der Berufsrangordnung zuzuweisen (Fremdeinstufung). Der Diplomat rangiert in der Regel nach dem Universitätsprofessor und neben dem Oberlandesgerichtspräsidenten, dem Chefarzt eines Krankenhauses und dem Generaldirektor eines Industriebetriebs, aber bezeichnenderweise vor dem Offizier, Beamten und Abgeordneten.

Die Tatsache, daß der Diplomat nicht als schlichter Beamter in die Prestigeskala eingereiht wird, deutet darauf hin, daß vom Diplomaten Fähigkeiten und Tugenden erwartet werden, die über das Maß eines Beamten hinausgehen, oder die jedenfalls höher eingeschätzt werden als die von einem innerstaatlichen Beamten erwarteten Leistungen.

Der Öffentlichkeit ist über die wirklichen Aufgaben, die dem Auswärtigen Dienst obliegen, zuwenig bekannt. Dies ist durch die Tradition der Geheimdiplomatie, die Geheimhaltung diplomatischer Interaktionen, an denen die Öffentlichkeit ein besonderes Interesse hat, die hierarchisch und statusbedingte mangelhafte Transparenz diplomatischer Tätigkeiten begünstigt und durch bestimmte Konventionen, Verhaltensweisen, Sprachregelungen und Statussymbole bewußt oder unbewußt gesteigert worden.

Der Diplomat gilt als prominent gerade nicht wegen der Wichtigkeit seiner Funktionen, seiner Macht oder seines Einflusses. Dagegen beruht seine Prominenz auf einer irrationalen Verbindung von Geheimnis und Öffentlichkeit, arcana imperii und Reklame, Exklusivität und Kontaktpflege, Snob-Appeal und Touch für Publicity. Die Annahme, er würde über Beziehungen und Informationen verfügen, zu denen die "gewöhnlich Sterblichen" keinen Zugang haben, stattet ihn mit allen Wirkungen eines Tabus aus; er zieht an und gilt doch als unerreichbar. Daraus resultiert wiederum das merkwürdige Flair, das ihn in der Gesellschaft umgibt. Die Anwesenheit eines Diplomaten ändert die Stimmung in beliebigen Gruppen; negative oder positive Affekte werden mobilisiert und polarisieren die Gruppenmitglieder. Diplomaten konstellieren ganz bestimmte Rollenerwartungen, die sich dem Begriff "Repräsentation" subsumieren lassen. Ein magisches Verhältnis zum Ausland, zur internationalen Gesellschaft, zur großen Welt, zur Mondänität und letztlich zum Staat wird hier unterstellt und weitersuggeriert.

Eine wichtige Rolle bei der Bildung dieses Images spielen das Konsumverhalten der Diplomaten im Ausland und ihre Identifikation mit der Oberschicht oder Prestigeelite.

Der Diplomat verdient im Ausland bedeutend mehr als im Inland, er soll den Staat würdig repräsentieren, großzügig einladen und standesgemäß auftreten können. Berechtigt ist die finanzielle Besserstellung insofern, als der Auslandsaufenthalt tatsächlich mit erhöhten Lebenshaltungskosten, erhöhtem Berufsrisiko und unter Umständen mit Entsagungen, wie zum Beispiel Schwierigkeiten der Kindererziehung, ungünstige Wohnmöglichkeiten, geringes Angebot von Dienstleistungen und Gebrauchsgütern, Unmöglichkeit der Heimreise auf eigene Kosten und so weiter, verbunden ist. Das Bild der öffentlichen Meinung und in manchen Fällen auch die Einstellung des einzelnen Diplomaten orientieren sich jedoch nicht an diesen berechtigten Gründen, sondern vielmehr an – den sichtbaren Vorzügen höherer Entlohnung.

Ein weiterer Grund für das gesamtgesellschaftliche Image der Diplomatie ist ihre historisch bedingte Identifikation mit dem Adel. In der höheren Verwaltung Preußens und der übrigen Monarchien gab der Adel den Ton an, und gerade der diplomatische Dienst war bis 1918 fast ausschließlich eine Adelsdomäne.