Im „Lande der Dichter und Denker“ gibt es etwa sechseinhalbtausend Menschen, die ihren Lebensunterhalt hauptberuflich vom Bücherschreiben bestreiten. Zwei Drittel davon verdienten im Jahre 1966 – aus dem die neueste Statistik stammt – weniger als 20 000 Mark. Sie waren nicht umsatzsteuerpflichtig und blieben daher statistisch unerfaßt.

Das Juni-Mitteilungsblatt des Norddeutschen Schriftstellerverbandes gab nun die Einkommen des „obersten Drittels“ bekannt. Es sind genau 2181 deutsche „Dichter“, die nicht zur Spezies der hungernden Spitzweg-Existenzen gehören. Sie hatten vielmehr ein Durchschnitts-Jahreseinkommen von etwa 69 000 Mark.

Einundzwanzig der sechseinhalbtausend deutschen Literaten verdienen mehr als eine Million Mark im Jahr und rund zweitausend leben nicht schlecht. Das Gros der über 4000 nicht in der Statistik erwähnten Literaten muß sich mit weitaus bescheideneren Einnahmen begnügen.

Am liebsten leben gut verdienende „Dichter“ in Bayern. 571 derjenigen, die mehr als 20 000 Mark im Jahr einnehmen, bezahlten ihre Steuern in Deutschlands einzigem Freistaat. Sie versteuerten 41,5 Millionen Mark. Die 483 in Nordrhein-Westfalen ansässigen Schriftsteller verdienten zusammen beinahe ebenso viel: knapp 40 Millionen.

Im Saarland gibt es nur 13 „Dichter“ der finanziellen Spitzenklasse. Sie verdienten zusammen eine halbe Million. Am dichtesten drängten sich Deutschlands erfolgreiche Schreiber in der Hansestadt Hamburg. Hier versteuerten 212 Schriftsteller nahezu 15 Millionen Mark. Die kühle Hansestadt erscheint damit als Deutschlands Musentempel. izh