Alle waren zu jenem Faschingsabend kostümiert erschienen – nur er machte eine Ausnahme: er blieb im normalen evening dress. Doch trug er dazu einen auf groteske Weise kontrastierenden Maskenkopf.

"Ich sehe ihn noch heute so deutlich, wie photographiert, vor mir", erzählt sein jüngerer Bruder: "In einem vorbildlichen Frack mit geknöpften Lackstiefeln (die man damals trug), weißen Glaces und Chapeau claque. Der Abendanzug kleidete seine schlanke Figur ausgezeichnet. Über korrekter Schleife und hohem Kragen aber saß der schauerlich lächelnde Kopf eines jungen Vollidioten mit Schielaugen, aufgestülpter Nase, übermäßig blöde geöffneten Wulstlippen, Pferdezähnen und einer affenartig niederen Stirn unter wirrem Haar ... Seine Bewegungen waren die eines eleganten und gemessenen Frackherrn, so daß ihm von rückwärts kaum etwas Außergewöhnliches anzusehen war. Wendete er sich aber nur halb, so konnte man Schreikrämpfe bekommen. Und wenn er in der gesammelten Haltung eines Salonlöwen wortlos auf dem Seidensofa saß, dabei mit schiefem Kopf das Schmierlächeln einer Dame zuwandte, selbstvergessen langsam einen Glacéfinger hob, um sich am klaffenden Nasenloch zu kratzen, und plötzlich mit glucksendem Kichern den Klapphut herausknallen ließ, lallten die Leute nur noch."

Was sich hier als lustiger Faschingseinfall eines jungen Mannes gibt, könnte auch als ein Grundmotiv seines späteren Werkes gesehen werden: die Brüchigkeit, ja Fragwürdigkeit der bürgerlichen Existenz. Allzu vieles, das äußerlich gesund schien, enthüllte sich ihm bei näherem Hinsehen als morbide. Oder war er selber es, der den Dingen zum Tode verhalf? Manchmal jedenfalls meinte er – so berichtet einer seiner Söhne –, "daß die Verhältnisse, die Dinge, die er beschrieb, vollendet oder todesreif waren, eben weil er sie beschrieb ..." So starb sein Lieblingshund gerade zu jener Zeit, da er ihn porträtierte und zum "Helden" einer Erzählung machte.

Dabei lag sein Ziel eigentlich in entgegengesetzter Richtung. Er wollte – so schrieb der 61 jährige in einer weltberühmt gewordenen Antwort an eine deutsche Universität, die ihn aus der Liste ihrer Ehrendoktoren gestrichen hatte – "ein wenig höhere Heiterkeit in die Welt tragen".

Um das zu verwirklichen, brauchte er für seine Arbeit Ruhe, Sicherheit, Frieden. "Was ist Arbeitsstimmung?" fragte er einmal und antwortete: "Stimmung ist ausgeschlafen sein, ist gute Bücher, ist gute Luft, ist wenig Menschen, ist Friede, Friede."

Unter Zeitdruck konnte er nicht arbeiten, unter politischem Druck nicht leben. Als sich in seinem Land ein diktatorisches System manifestierte, dessen verbrecherischen Einschlag er frühzeitig erkannte, ging er ins Exil. Es war für ihn ein schwerer Schritt – nicht nur, weil er dabei sein Haus mit der gesamten Einrichtung, seine Bücher und den größten Teil seiner Ersparnisse verlor.

Obgleich er sein Werk nie unter dem Gesichtspunkt kommerziellen Gewinns konzipierte, war er doch so erfolgreich, daß der finanzielle Verlust bald wieder eingeholt war. Geldsorgen blieben ihm nahezu unbekannt, nicht weil er zu allen Zeiten immer genügend Geld gehabt hätte, sondern weil er sich für Geld kaum interessierte. "Er hatte keine Ahnung davon, wieviel er besaß und ob er etwas besaß", schreibt sein Sohn; "war meine Mutter einmal verreist, so kam es buchstäblich vor, daß er sich Geld leihen mußte, weil er nicht wußte, auf welcher Bank seines denn war."