Von Rudolf Braunburg

Mit diesem Artikel beenden wir den ersten Teil unserer Serie über die Luftfahrt „aus der Sicht des Kapitäns“. Ein zweiter Teil folgt im Herbst. Der Autor ist Flugkapitän der Deutschen Lufthansa und führt zur Zeit Linienmaschinen auf der Südafrika- und der Nordamerika-Route.

Als am 4. Juni 1784 Madame Tible als erste Frau in einem Ballon aufgestiegen war, in männlicher Gesellschaft, sprach der Pariser Polizeichef ein Verbot für weitere Eskapaden solcher Art aus – „weil die Luftfahrt von zwei Personen verschiedenen Geschlechts unanständig und unmoralisch und weil es nicht ausgemacht ist, ob nicht der Druck der Luft den zarten Organen eines jungen Mädchens gefährlich werden kann“.

Als im April 1969 die Deutsche Lufthansa mit Sekt, Orangensaft und Torte den Abschluß ihres 100. Flugbegleiterlehrganges feiern ließ, waren Frauen in der Luftfahrt längst selbstverständlich, und kaum jemand erinnerte sich noch an die amerikanische Krankenschwester Ellen Church: Als erste Stewardeß hatte sie 1930 mit einigen mutigen, langröckigen Gefährtinnen Ovomaltine schlürfende Fluggäste zwischen Chikago und San Franzisko mehr medizinisch als kulinarisch betreut. Männliche Flugbegleiter, als ersten Arthur Hofe, hatte die Deutsche Lufthansa übrigens schon 1928 an Bord einer Junkers-Maschine auf den Linien von Berlin nach Paris und Wien eingesetzt.

Container scheppern, Zeitungspakete fliegen durch die Galley, Wasser dampft, Stapel von Tabletts, Gläsern, Pappbechern, Handtüchern und Decken werden in den schier unersättlichen Flugzeugrumpf geworfen. „Achtung, ich sing’ mal ’ne Sprechprobe“, kündigt Steward P. durchs Mikrophon an, und hinten im fernen Heck hebt eine winzige Gestalt den Daumen: „Kabinenverständigung okay, aber du solltest wirklich mal die Grundbegriffe der Tonalität studieren!“

Stewardeß R. ist verzweifelt mit der pausenlos fließenden Spülung in einer der vorderen Toiletten beschäftigt: „Sind wir hier am Niagara, wo ist der Mechaniker, ist eigentlich niemand zuständig für diese Mühle?“ Der Mechaniker wechselt eine Leselampe über Sitz 12c aus, und dabei tritt ihm Steward K. auf die Füße; er überprüft die Schwimmwesten. Und dem Steward wiederum kommen die Putzfrauen aus dem südlichen Kalabrien in die Quere; sie müssen noch die Aschenbecher leeren.

Die Vorführschwimmwesten für das „Wasserballett“ lägen wieder an der falschen Stelle, moniert die Purserette: „Wenn man sich nicht um alles selber kümmert, klappt nichts. Und wenn du schon Galleymaus machst, Gunhild, deinen verdammten Zeitungswagen könntest du selber aus dem Weg räumen; und ich hoffe, ihr habt dahinten den Saft abgefüllt, wir schmeißen ihn gleich nach der Sauerstoffarie raus...“