Das Internationale Rote Kreuz (IRK) ist jetzt bereit, von Lagos aus Versorgungsgüter in Tagesflügen nach Biafra zu spedieren. Damit scheint die Gefahr des Hungertodes, der 100 000 Ibos innerhalb des nächsten Monats bedrohte, vorerst gebannt. Marcel Naville, der neue Präsident des IRK, wollte am Mittwoch direkt von Genf nach Lagos fliegen, um dort die letzten Einzelheiten einer Absprache zu regeln, auf die sich IRK-Vizepräsident Freymond und der nigerianische Außenminister Aripko am vorigen Wochenende in London auf Vermittlung britischer Behörden lose geeinigt hatten.

Vor dem Unterhaus erklärte der britische Außenminister Stewart am Montag, es liege jetzt ganz und allein an General Ojukwu, dem Führer Biafras, ob die Vereinbarung in Kraft treten könne. Zwar bestehe noch kein kompletter schriftlicher Vertrag, doch bemühe sich die britische Regierung im Einvernehmen mit Lagos und den Hilfsorganisationen um die Klärung der noch offenen Fragen.

IRK-Präsident Naville will in Lagos vor allem herausfinden, wie die nigerianische Zentralregierung die Inspektion der Versorgungsmaschinen zu handhaben gedenkt. Nigeria hatte angeboten, neutrale Beobachter an den Inspektionen zu beteiligen.

Biafra hatte sich bislang geweigert, Versorgungsflüge von Lagos und bei Tage hereinzulassen – aus Furcht, die Nigerianer könnten die Lebensmittel vergiften und die biafranischen Notflugplätze im Dschungel ausspähen.