Die Verschwörung mußte scheitern, weil die Alliierten die Signale nicht verstanden

Von David Astor

David Astor, Chefredakteur der englischen Sonntagszeitung "The Observer" hat im Juni in der Zeitschrift "Encounter" eine scharfe Klinge zur Verteidigung der Verschwörer des 20. Juli geführt. Astor, der mit Adam Trott, über den Christop her Sykes vor kurzem ein Buch geschrieben hat,befreundet war polemisiert gegen den Autor. Er wirft ihm vor, weder die Situation der Verschwörer noch die Rolle Trotts begriffen zu haben. Auf den Vorwurf von Sykes, die deutsche Opposition habe sich weniger Achtung erworben als die anderer Länder, entgegnet Astor: Der Widerstand gegen die Diktatur im eigenen Land sei wesentlich schwieriger und gefährlicher als der gegen fremde Besatzungstruppen. Und ferner haben die Widerständler in allen okkupierten Ländern Hilfe in Form von Waffen und Führungskräften erhalten– nur die deutschen Gegner Hitlers nichts

Warum ist eine Zusammenarbeit der Alliierten mit der deutschen Opposition gegen Hitler nie zustande gekommen? Diese Frage stellt uns die Geschichte Adam von Trotts, eines jener Männer, die draußen als Sprecher für die Opposition tätig war. Trotts Freunde und Verwandte hatten auf eine eingehende und umfassende Untersuchung dieser Frage "von beiden Seiten des Zaunes" gehofft. Darum gaben sie ihr Quellenmaterial einem englischen Autor, weil die britische Seite dieser Geschichte noch schwerer zu erforschen ist als die deutsche.

Sykes aber scheint, wie fast alle Briten jener Zeit, auch heute noch der Ansicht zu sein, die deutsche Opposition hätte sehr wohl imstande sein müssen, eine Revolution – auch ohne Mithilfe des Auslandes – in Szene zu setzen. Er erkennt richtig, daß ein Sturz Hitlers ohne die Unterstützung einiger Teile der Armee nicht möglich war und daß diese Unterstützung nicht von einer Meuterei von unten erwartet werden konnte. Darum gibt er zu, daß es keinen anderen Weg gab, als einige Armeebefehlshaber zu überreden, gegen ihre Regierung zu handeln.

Was er jedoch nicht sieht, ist, daß die deutschen Generäle – nicht anders als die anderer Länder – sich darauf nur einlassen konnten, wenn ihnen die Möglichkeit geboten wurde, sich selbst in überzeugender Weise als Retter des Vaterlandes darzustellen. Die Verschwörer brauchten also Beweise dafür, daß Deutschland ein weniger furchtbares Schicksal erleiden würde, wenn Hitler stürbe, und eben darum waren sie auf ausländischen Beistand angewiesen. Sykes aber sieht weder dies noch die Folge, die sich daraus ergibt, nämlich daß die Verschwörer unbedingt eine Art von Garantie für das Nachkriegsdeutschland ohne Hitler anstreben mußten.

Um einen überzeugenden Plan entwerfen und diesen den skeptischen Generälen vorlegen zu können, waren sie gezwungen, sich das Vertrauen einiger britischer oder amerikanischer Persönlichkeiten zu erwerben, die Phantasie genug besaßen, um diese Situation zu begreifen, und deren Ansehen groß genug war, um den Versuch unternehmen zu können, die Politik ihrer eigenen Regierung zu beeinflussen.