Lukian hatte im zweiten. Jahrhundert darüber fabuliert, Kepler hatte davon geträumt, Jules Vernes hat es uns ausgemalt, jetzt soll es Wirklichkeit werden. Der Mensch setzt seinen Fuß auf einen anderen Himmelskörper.

Vierhunderttausend Wissenschaftler und Techniker haben acht Jahre lang auf dieses Ziel hingearbeitet, und das amerikanische Volk hat über hundert Milliarden Mark dafür bezahlt. Ist der Preis zu hoch?

Niemand vermag den Wert, den die Erkundung des Mondes einmal für die Menschheit haben wird, heute schon zu ermessen. Sicher ist zur Zeit nur der wissenschaftliche Gewinn. Wir werden bald mehr über den Ursprung unseres Sonnensystems und mehr über die Geschichte und den Aufbau des Universums wissen. Sicher ist aber auch dies: Den politischen Gewinn, auf den es John F. Kennedy in erster Linie ankam, als er den Flug zum Mond vor Ende dieses Jahrzehnts als nationale Aufgabe höchster Dringlichkeit proklamierte, hatte man damals, im Jahre 1961, weitgehend überschätzt.

Hatten das die Russen erkannt und darum das Rennen aufgegeben? Gewiß nicht. Denn wäre den Sowjets geglückt, was den Amerikanern mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten Tagen gelingt, dann wäre dies durchaus ein Trumpf in der Hand des Kreml gewesen. Eine sowjetische Mondlandung wäre bis zum Überdruß als Triumph des Sozialismus propagiert worden, und man hätte den Russen solche Begründung des Erfolges in vielen Teilen der Welt abgenommen.

Die US-Raumfahrtbehörde hat erfolgreich mit der „Gefahr“, von den Russen im Wettlauf zum Mond überrundet zu werden, taktiert. Jetzt aber, da das Rennen gelaufen ist, kann die NASA nur noch den wissenschaftlichen und zivilisatorischen Nutzen ihrer Raumfahrtprogramme als Argument für weitere Geldforderungen ins Feld führen. Auf den in Parlamenten stets zugkräftigeren Hinweis auf militärische Anwendungsmöglichkeiten jedoch muß die so betont ausschließlich auf friedliche Ziele ausgerichtete Behörde in ihrer Argumentation verzichten.

Nun ist der wissenschaftliche und wirtschaftliche Wert der Raumfahrt-Technologie ohne Zweifel hoch. Eindrucksvolle Beispiele hierfür nennt Wernher von Braun in dieser Ausgabe der ZEIT, wobei er schildert, wie es mit der amerikanischen Raumfahrt nach Apollo 11 weitergehen soll.

Die Investition in den Mondschuß hat sich allein schon mit der Ankurbelung einer gewaltigen Forschungsaktivität bezahlt gemacht. „Die beste Wissenschaftsförderung ist die Herausforderung, ein Problem, das unlösbar erscheint, lösen zu müssen“, sagt Professor Jerome Wiesner, der Kennedy in Sachen Wissenschaft beraten hat. In der Tat ist die Aufgabe, Menschen auf den Mond und wieder zurückzubringen, eine Kette solcher Herausforderungen gewesen. Und die Wissenschaftsförderung, die daraus resultierte, hat reiche Ernte erbracht. Auf allen Gebieten der naturwissenschaftlichen, der medizinischen und der technologischen Forschung hat Amerika unbestritten die Führungsrolle übernommen.