Die Kraftfahrer zahlen die Zeche im Streit um die Benzinpreise an den Autobahnen. Das Kartellamt. muß dem Preis-Treiben ein Ende bereiten.

Wenn zwei von drei Spielern sich ständig den Schwarzen Peter zuschieben, zahlt der Dritte meist die Zeche. Genau das ist zur Zeit noch die Situation bei dem Streit um die Benzinpreise an den deutschen Bundesautobahnen. Wer von uns hätte sich nicht schon geärgert, wenn er auf der Autobahn vier, fünf oder gar zehn Pfennig mehr bezahlen mußte, als er daheim an seiner Stammtankstelle berappen muß?

Dem Preis-Treiben an den Zapfsäulen entlang der Autobahnen will das Bundeskartellamt jetzt ein Ende bereiten. In dieser Woche hält es Hearings mit den großen Mineralölgesellschaften ab, um herauszufinden, woher die Preisunterschiede an den BAB-Tankstellen zu den Zapfsäulen in der nahen Umgebung eigentlich stammen.

Die bundeseigene Gesellschaft für Nebenbetriebe der Autobahnen (GfN) in Bonn wäscht ihre Hände in Unschuld. Sie baut und verpachtet zwar die Tankstellen, aber auf die Preise hat sie keinen Einfluß. Sie verlangt lediglich je Liter verkauften Benzins eine Provision, die sie mit dem von ihr bestellten Pächter teilt.

Die Mineralölgesellschaften wiederum erklären, sie lieferten das Benzin zu den gleichen Preisen wie an die übrigen Tankstellen abseits der Autobahnen.

Der Dumme ist der Autofahrer, der auf seiner Fahrt über die Autobahn tiefer als anderswo in die Tasche greifen muß. Ihn interessiert nicht, warum das Benzin hier teurer ist als dort, warum oft bei Entfernungen von einem oder zwei Kilometern ein Preisunterschied bis zu zehn Pfennig steht. Er hat kaum eine Wahl, den Schwarzen Peter wieder loszuwerden, denn selbst wenn er dem Boykottaufruf eines Automobilclubs folgen wollte, weiß er immer noch nicht, ob er gerade dort, wo sein Benzin sich dem Ende zuneigt, eine Tankstelle abseits der Autobahn findet, deren niedrigere Preise den Umweg lohnen.

Es klingt zwar unglaublich, aber das Bundeskartellamt, das ja als Hüter des Wettbewerbs eingesetzt ist, hätte allen Beteiligten den Ärger ersparen können, wenn es 1961 nicht aus formaljuristischen Gründen jene Preisklausel in den Lieferverträgen zwischen der GfN und den Mineralölgesellschaften gestrichen hätte, die vorschrieb, daß der Preis an der Autobahn nicht höher sein dürfe als der für gleiche Markenware im örtlichen Preisgebiet.