Drei Tage vor dem Starttermin von Apollo 11 ist den Sowjets ein spektakulärer Überraschungsschuß gelungen: Sie starteten am vorigen Sonntag die unbemannte Sonde Luna 15, die nach einer Meldung der Nachrichtenagentur TASS der „weiteren wissenschaftlichen Erforschung des Mondes und seiner Umgebung“ dienen soll.

Während auf Kap Kennedy der Schluß-Countdown ohne Störungen anlief, hüllte sich Moskau über die Einzelheiten des Luna-Experiments in Schweigen. Das bisherige Luna-Programm der Sowjets begann 1959 mit Flügen durch den mondnahen Raum. Als erste Geschosse von Menschenhand setzten Luna 2 erstmals 1959 hart und Luna 9 erstmals 1966 weich auf dem Erdtrabanten auf. Luna 10, die im April 1966 den Mond umkreiste, war der erste künstliche Mondsatellit der Geschichte. Das Luna-Programm wurde ergänzt vom „Sojus“-Programm und den Flügen automatischer Sonden, deren Nr. 5 und 6 im September und November 1968 die Strecke Erde–Mondumkreisung–Erde mit anschließender weicher Landung zu Wasser und zu Lande zurücklegten. Sojus 4 und 5 wurden im Januar dieses Jahres automatisch zu einer Raumstation zusammengekoppelt, wie sie für weitere Vorstöße ins All nützlich sein könnte.

Der sowjetische Kosmonaut Beregowoi schloß in Helsinki die Möglichkeit nicht aus, daß Luna 15 eine weiche Mondlandung versuchen werde. Rocco Petrone, Startdirektor auf Kap Kennedy, vermutete, die Sowjets würden die Sonde im „direkten Schuß“ auf den Erdtrabanten befördern, sie dort landen und mit Proben des Mondbodens zur Erde zurückkehren lassen, „um die Bewunderung der Welt wieder auf sich zu lenken“.

In der Tat würde Moskau mit einem solchen automatischen Experiment einen Teil der Ergebnisse vorwegnehmen, die die drei US-Astronauten von Apollo 11 auf ihrer „Mission des Jahrhunderts“ erzielen sollen. Darüber hinaus könnte die sowjetische Sonde theoretisch die Landung der amerikanischen Mondfahrt aus nächster Nähe beobachten. Den Start der Trägerrakete Saturn V. von Kap. Kennedy aus wird der sowjetische Flottenverband verfolgen, der auf seinem Weg nach Kuba bei Wochenbeginn vor Florida vor Anker ging.