GATTI: Nein. Einige tragen die Köpfe von spanischen Eroberern, von Napoleon, von Johnson. Warum wohl? Ich bin sicher, daß dort etwas ganz Neues entstehen wird. Eine Generation revolutionärer Dichter, keine Dichter, die schreiben, keine engagierten Dichter, die Stücke erfinden, revolutionäre Spiele ... ohne die Deformation durch die kulturelle oder literarische Tradition. Aus der indianischen Stufe direkt in etwas sehr viel weiter Entwickeltes. In ein revolutionäres Stadium, frei von allen Zwängen, die Herrschaftssysteme, durch die wir gegangen sind, in unsere Form des Denkens geprägt haben.

Können wir etwas von dieser Dramaturgie der Indios übernehmen?

GATTI: Das glaube ich nicht. Wir hängen zu sehr in unserer Sprache, in unserem Kontext, der international immer einheitlicher wird. So etwas muß aus einer Notwendigkeit heraus entstehen. Die Indios können sich nur so und nicht anders ausdrücken. Transponiert werden solche Formen zu avantgardistischem Luxus.

Dann wird diese Dramaturgie nie einen Einfluß auf unsere Form des Theaters haben?

GATTI: Das hängt von einem Zustand ihrer Notwendigkeit ab. Sie wird wichtig, sobald vergleichbare Bedürfnisse da sind. Ohne daß ich mir dessen bewußt war, hat mich das chinesische Theater sehr beeinflußt. Meine ersten Stücke waren, wenn auch nicht vom chinesischen Theater, so doch von der Art, in der ich es verstanden habe, gekennzeichnet. Gleichzeitig haben mein Milieu, die Kämpfe in meinem Milieu meine Schreibweise verändert. Aber am Anfang war das chinesische Theater, obgleich ich kein Chinese bin, nur Tourist in der Kultur Chinas war. Trotzdem spürte ich eine Notwendigkeit, mich der Form des chinesischen Theaters anzunähern, vor allem, mich in seinem Sinne auszusprechen. Ich denke, das geschieht in dem Maße, wie man eine Notwendigkeit als ein Bedürfnis begreift, und man kommt schließlich über diesen Umweg sehr viel weiter und sehr viel tiefer in unsere eigene Wahrheit.

Wie konnte diese Form des chinesischen Theaters aus konkreten Bedürfnissen entstehen?

GATTI: Wenn die Arbeiter dort Probleme hatten, untereinander, mit der Direktion, mit der Gewerkschaft, spielten sie ein Stück darüber. Die Direktion, die Kader, die Gewerkschaftsführer, alle, die mitbetroffen waren, haben das Stück gesehen und sofort darüber debattiert. Natürlich nicht über das Stück, sondern über die Probleme.