Von Heinz Steinberg

Im März legte die ADIG ihren Rentenfonds auf... "Schon mit 25 Mark könnten Sie teilhaben am Gewinn des neuen Rentenfonds der ADIG: Adirenta." Das "Eröffnungsangebot" schloß mit dem Satz: "Sie wissen ja: Fachleute machen mehr aus Ihrem Geld!" Ende April hatte die ADIG schon 75 Millionen Mark in ihrem neuesten Fonds, aber Ende Juni lag der Ausgabepreis immer noch bei 25 Mark. Bei sinkenden Kursen auf dem Rentenmarkt profitierte nur die ADIG von ihrem neuen Fonds: 3 Prozent "Ausgabekosten" machen schon allein über 2 Millionen Mark aus, dazu kommen dann noch jährlich 3 Promille für die ADIG selbst und 1 Promille für die Depotbank. Die üblichen Gebühren werden natürlich außerdem erhoben.

Doch anderen Rentensparern erging es noch schlechter. Beim Internationalen Rentenfonds des DIT war der Absatz noch besser (von Mitte Februar bis Ende April 142 Millionen Mark), aber der Ausgabepreis ging in drei Monaten um 3 Promille zurück. Bei Inrenta (DWS) lag das Ergebnis im gleichen Zeitraum bei –0,8 Prozent, bei Unirenta (Union) –0,9 Prozent und bei Renditdeka und dem Deutschen Rentenfonds waren die Verluste noch größer.

Ein bereits bestehender Fonds kann bei sinkenden Kursen seine Wertpapierbestände selbst dann nicht vollständig verkaufen, wenn er sinkende Kurse vorausahnt. Der dadurch entstehende Kursdruck würde den Verlust noch vergrößern. Immerhin hat die DEKA ihre Bestände an festverzinslichen Werten in letzter Zeit bewußt klein gehalten. Am 31. März lagen – abgesehen von den für die Ausschüttung am 12. Mai benötigten Geldern – 11,2 Prozent des Renditdeka-Vermögens auf der Sparkasse, während 14 Tage später der Deutsche Rentenfonds noch nicht einmal die 46 Millionen für die Ausschüttung am 15. Juni flüssig hatte – nur 15 Millionen lagen auf der Bank, und 8 Millionen Zinserträge wurden noch erwartet. Bei der DEKA hatte man richtig spekuliert.

Unsere "Bilanz des Investmentsparers" zeigt, wie der Sparer mit seinen Fonds gefahren ist, wenn er sich das Geld, das er vor Jahren investiert hat, zum 30. Juni hat auszahlen lassen. Bei Fonds, die Ausschüttungen vornehmen, haben wir angenommen, daß der Sparer diese Gelder jeweils wieder, mit angelegt hat und dabei nach Möglichkeit von Sonderkonditionen profitiert’ hat: Wiederanlage zum Anteilwert auf Anlagekosten bei ADIG, Allfonds und Union, Wiederanlagerabatte bei DEKA, DIT, DWS und IK. Nicht berücksichtigt wurden jedoch Vergünstigungen, wie sie die DWS bei regelmäßigen Einzahlungen bietet.

Die einmaligen Gebühren, die von den Fondsverwaltern beim Verkauf ihrer Investmentanteile erhoben werden, fallen bei kurzfristigen Vergleichen besonders ins Gewicht. Wer sein Geld vor drei Jahren in einem der beiden ältesten Rentenfonds angelegt hat, kommt, wenn er die Anteile jetzt wieder verkauft hat, bei beiden Fonds auf 9,3 Prozent Jahreszins. Wer aber seine Anteile noch zwei Jahre halten will, kann die Kosten, die ihm zu Beginn entstanden sind, auf fünf Jahre verteilen. Unter dieser Voraussetzung kommt man für die letzten drei Jahre beim Deutschen Rentenfonds auf einen jährlichen Gewinn von 9,86 Prozent, bei Inrenta nur auf 9,74 Prozent. Verteilt man auch bei der Abrechnung für das letzte Jahr die Abschlußgebühren auf fünf Jahre, so kommt man zu folgender Rangliste: 1. Renditdeka (+ 3,8 Prozent), 2. Inrenta (+ 3,7) 3. Deutscher Rentenfonds (+ 2,7). Von den Rentenfonds hatte der DIT den besseren Start, aber dann hat die DWS mit Inrenta allmählich aufgeholt, und wer vor zwei Jahren erst eingestiegen ist, ist mit Inrenta besser gefahren.

Grundsätzlich empfehlen sich Investmentpapiere nur für die langfristige Kapitalanlage. Wer aber glaubt, daß sich in bestimmten Branchen oder Ländern besondere Chancen bieten, kann auch bei einer solchen Spekulation von dem breitgefächerten Portefeuille eines Fonds profitieren. Im letzten Jahr stand ein Länderfonds mit einem Ergebnis von + 13,3 Prozent einsam an der Spitze, und für die letzten drei Jahre hätten sich mit einem Branchenfonds die höchsten Gewinne erzielen lassen: Mit Aktien von Banken und Versicherungen erwirtschaftete Adiverba – unter Berücksichtigung des Zinseszinseffektes – jährlich 20,5 Prozent, lag damit allerdings immer noch knapp unter dem Indexwert von 20,7.